280
Deutsche Schulzeitung.
Trarbacher Seminars nach Ottweiler überzusiedeln. Nochmals traten jedoch dem so
nahe geglaubten Beginn in Ottweiler Hindernisse in den Weg, und erst ein halbes
Jahr später, im März dieses Jahres, waren die Vorbereitungen so weit gediehen,
daß der Termin zur Aufnahme - Prüfung ausgeschrieben werden konnte. Nachdem
unterm 15. April der Seminarlehrer Morst aus Usingen zum Dirigenten der neuen
Anstalt berufen worden und der Seminarlehrer D., dem inzwischen die Versehung
einer erledigten Lehrerstelle am Seminar tn Schlüchtern übertragen worden war, die
Weisung erhalten hatte, nunmehr seine Stelle in Ottweiler anzutreten, fand am 1.
und 2. Juni endlich die Prüfung der angemeldeten Präparanden statt. Von den 25
erschienenen gelangten 15 als genügend vorgebildet und 5 andere versuchsweise zur
Aufnahme, und so konnte denn am 16. desselben Monats der Seminar-Cursus
mit 20 Zöglingen eröffnet werden, ein einfacher, in seinen Folgen jedoch bedeutsamer
Akt, der sich in Gestalt einer kleinen öffentlichen Feier in nachstehender Weise
vollzog.
Außer dem Vertreter des Königlichen Provinzial-Schulcollegiums, Herrn Schul
rath Stiehl, und dem Commissarius der Königlichen Regierung zu Trier, Herrn
Oberconsistorialrath Spieß, den beiden Lehrern und den 20 Zöglingen des Seminars
hatte sich eine beträchtliche Anzahl geladener Gäste, worunter die Behörden, die Geist-
lichen und Lehrer der Stadt ohne Unterschied des Bekenntnisses, zwei benachbarte
Schulinspectoren und einige Lehrer der Umgegend in den Räumen des gemietheten
Scminargebäudes eingefunden. Die Feier begann mit Absingung einiger Verse aus
dem Liede: „Ach bleib mit deiner Gnade," und nachdem Herr Schulrath Stiehl in
einem kurzen Gebete den Segen des Herrn zu dem gegenwärtigen Vornehmen und
zu alledem, was weiterhin in diesem Hause geschehen solle, angerufen hatte, wandte
er sich mit einer Ansprache an die Versammlung.*)
Der Herr Schulrath wies zunächst auf die Bedeutung dieses Aktes hin. Etwa
25 Lehrer würden jährlich aus diesem Seminar hervorgehen, und jeder von ihnen
würde an die Spitze einer ganzen Kinderschaar gestellt. An dem mehr oder weniger
fruchtbaren Wirken dieser Lehrer werde das Seminar seinen Theil von Verantwortung
zu tragen haben. — Sodann erinnerte der Herr Redner an die überfüllten Schulen,
an die vielen Schulklassen, die gegenwärüg von Aspiranten bedient werden müßten,
welchen Uebelständen das Seminar an seinem Theil Abhülfe verschaffen solle. — Er
sprach ferner von den großen Aufgaben, welche der deutschen Volksschule gerade in
jetziger Zeit zufallen, da die Industrie einen großartigen Aufschwung gewonnen, da
die Wellenschläge lebhaften Verkehrs auch die entferntesten Winkel berühren, da auf
allen Gebieten des öffentlichen Lebens Organisationen entstehen, welche die Einsicht
und Thätigkeit Aller in Anspruch nehmen. Solle das Alles heilsam sich entwickeln,
so bedürfe unser Volk bis in die untersten Schichten der Weckung und Pflege seiner
geistigen Kräfte, Erweitung des geistigen Horizontes nach allen Seiten hin. Wie
viel daran auch dem Leben einzuräumen sei, der Schule bleibe doch ein wesentlicher
Antheil an der Vermittlung solchen Wissens und Könnens. — Doch die Gegenwart
berge aus denselben Gründen auch große Gefahren für das Volksleben in sich. Dem
Mammonismus und dem Materialismus könne der Geringe so gut wie der Hochge
stellte anheimfallen. Zur Herrschsucht und eigensüchtigen Willkür sei auch der in
untergeordnetem Verhältniß Stehende versucht. Wenn nun durch die Schule, wie
*) Leider können wir die uns vollständig eingesandte Rede des Raumes wegen nur im
Auszuge mittheilen. D. Red.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.