Beilage zum Evangelischen Schulblatt.
Deutsche Schulzeitung.
Mitte Dezember 1874.
Correspondenzen.
Zwei Briefe über das Zeichnen in der Volksschule.
1.
Lieber Herr N. Sie wissen wohl, daß ich, ohne Zeichenmeister zu sein,
dieses Fach stets mit besonderer Vorliebe gepflegt habe und Feind einer blos mechani
schen Behandlung desselben bin. Mein Gang, den ich an meiner früheren Stelle
verfolgt habe und dem ich auch hier nicht untreu geworden bin, unterschied sich
so ziemlich von dem Verfahren, welches viele andere Collegen in diesem Fache
einschlagen. Gerne bin ich bereit, Ihnen meine Gedanken über den Zeichenunter
richt mitzutheilen und Ihnen anheimzugeben, was Sie aus längerer Pädagogischer
Erfahrung auf diesem Gebiete glauben accep^iren zu dürfen oder ausscheiden
zu müssen.
Wie an meiner vorigen Stelle, so ertheile ich auch hier den Zeichenunterricht
bei allen Kindern und bei der jüngsten Klaffe unserer Zöglinge. Anfangs schienen
mir die Kinder wegen langer Unterbrechung des Zeichenunterrichtes für diesen
Gegenstand stumpf und unempfänglich zu sein, und ich war genöthigt, sie vor
nehmlich wieder auf die mannichfachste Weise dafür zu gewinnen, was mir end
lich nach vieler Mühe gelungen ist, so daß sie jetzt gleichsam in einen zu großen
Eifer gerathen sind und ich nun steuern muß, daß die Arbeiten nicht flüchtig
und unexakt ausfallen. Mit Ausnahme von zwei Zöglingen hat keiner der andern
je einen Bleistift in seinem Leben für's Zeichnen angespitzt, und doch darf ich
mich über die zwar einfachen, aber sauber und mit Fleiß ausgeführten Zeichnun
gen dieser letztern freuen und würde Ihnen gerne eine Probe davon zur gefl.
Einsicht schicken, woran auch kein Strich von meiner helfenden Hand sich findet.
Freilich ließ ich stets eine mündliche Belehrung, die ja nicht fehlen darf, voran
gehen. Ich wünschte nur auch in andern Fächern gleiche Resultate meiner Mühe
erblicken zu dürfen. Ihr N. N.
2.
Lieber Herr N. In Ihrem letzten Briefe ersuchten Sie mich, Ihnen meine
Gedanken über den Zeichenunterricht, besonders in der Volksschule, mitzutheilen.
Gern, wenn auch schüchtern, komme ich Ihrem Wunsche nach. Ich bin weder
ein tüchtiger Praktiker noch Methodiker; jedoch habe ich immer eine besondere Vor
liebe für das Zeichnen gehegt, und der Unterricht in diesem Fache hat mir selbst
und meinen Schülern stets Freude bereitet.
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