Zur Geschichte der Stadtschule in Berleburg.
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und daß wir ferne davon sind, über das moderne Schulwesen über
haupt und dessen Ausführung in Hessen den Stab zu brechen. Wir
wollten nur darauf hinweisen, wo dasselbe nach unserer Ansicht eine falsche Richtung
eingeschlagen hat oder einschlagen will. Möchte unsrer Warnungsrnf nicht ganz
überhört werden. Strack.
Jur Geschichte der Stadtschule in Berleburg.
Von Kanzlei-Rath Friedrich Goebel in Siegen.
Die Kirchen-Reformation in dem 16. Jahrhundert ging bekanntlich mit einer
Neubegründung des Schulwesens Hand in Hand. In den zahlreichen Kirchen
ordnungen bilden die Schulordnungen einen wesentlichen, nie fehlenden Bestand-
theil. Die ersten Anfänge auch der Berleburger Schule wurzeln in der Kirchen
gemeinde; auch sie ist eine Tochter der Kirche. Möge sie nie ihres Ursprunges
vergessen!
Die Stadtschule in Berleburg hatte, wie jede andere, als deutsche Schule
den Zweck, die Kinder im Lesen, Schreiben, Rechnen, im Kirchengesang und in
der Religion zu unterrichten, doch war sie, wie andere ähnliche Stadtschulen der
damaligen Zeit, zugleich eine Art niedere lateinische Schule.
Ob auch in ganz alter Zeit eine Mädchenschule in Berleburg bestanden
hat, bescheiden wir uns nicht zu wissen;*) dagegen wird schon im Jahre 1734
Anna Elise Meyer „Mädchen-Schulmeisterin" genannt, welche am 30. October
desselben Jahres starb.
Die erste bekannte Schulordnung für die Grafschaft Wittgenstein-Berleburg
wurde unter der kurzen Regierung des Grafen Ludwig Franz, eines, wie die
Berleburger Chronik berichtet, „gottesfürchtigen und sein heiliges Wort liebenden
Herrn", erlassen, und datirt vom 28. Nov. 1687; die zweite Schulordnung,
welche auch für die ehemalige reichsunmittelbare Herrschaft Homburg an der Mark
maßgebend war, erließ am 24. October 1744**) Graf Ludwig Ferdinand,
der im Jahre 1741 — ein Jahr nach der Thronbesteigung des großen Preußen
königs— die Regierung antrat, und die dritte „Erneuerte Schulordnung" erschien
unter der Regierung des Fürsten Albrecht am 12. Nov. 1805, ein Jahr vor
Auflösung des deutschen Reiches.
*) Bei dem sparsam vorliegenden Material war es dem Verfasser dieser Blätter nicht ver
gönnt, tiefer in Klio's Hallen einzudringen; doch um Lebens und Sterbens willen, dürften
diese Mittheilungen vielleicht für einen Nachfolger nicht verloren sein.
**) Diese Schulordnung ist abgedruckt in dem trefflichen Büchlein: „Geschichte der ehema
ligen reichsunmittelbaren Herrschaft Homburg an der Mark". Barmen 1870, herausgegeben
von dem schon Heimgegangenen Lehrer Peter Wilhelm Hüffen in Nümbrecht, der sich um die
Geschichte des Homburger Ländchens verdient gemacht hat.
Dem Schriftchen ist eine lithographirte Abbildung des auf einem waldigen Berge roman
tisch schön gelegenen Schlosses Homburg, welches eine halbe Stunde von dem großen und schö
nen Kirchdorfe Nümbrecht entfernt liegt, beigegeben.
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