838 n. Abtheilung Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
licher war es, daß der große Conferenzsaal nicht geheizt werden konnte.
Damit ist aber auch Alles gesagt, was einer freudigen Conferenzthätigkeit hätte
Eintrag thun können. Dem war aber in der That nicht so. Mehr denn 120
Lehrer betheiligten sich und zwar Morgens und Nachmittags. Zudem wurden die
Verhandlungen bis Abends gegen */s8 Uhr hier in so frischer Weise geführt,
wie kaum in früheren Jahren.
Die Conferenz wurde eröffnet mit dem Gesänge: „Ach bleib mit deiner
Gnade bei uns!"
Zugleich bot sich dem Auge ein eigenthümliches, aber schönes Bild. Im
Vordergründe saßen etwa 20 Volksschüler, Knaben und Mädchen, alle gespannt
schauend auf einen ihnen fremden Lehrer, der es übernommen hatte, die Behand
lung eines Lesestückes Praktisch vorzuführen. Hinter dieser Gruppe saßen mehr
denn 100 Lehrer, des Probeunterrichts harrend.
H. Lehrer Schmidt-Dabringhausen trat zunächst, wie es schien, in eine
zwanglose Unterhaltung mit den Kleinen. Wollte er ihr Vertrauen wecken? Aber
bald schon machte es sich fühlbar, daß doch den Fragen und Antworten ein wohl
angelegter Plan zu Grunde lag. Der Referent redete von Ebenen und Gebirgen,
von Berg- und Landbau, von Stadt und Land, vom schönen Rheinfluß mit
seinen geschichtlich denkwürdigen Städten, von Sachsen, Baiern und Württemberg;
von Kaiser Wilhelm, der es jüngst noch in Rheinland tausendfach erfahren, daß
er der Liebling des Volkes sei, rc. Bevor das zu behandelnde Lesestück genannt
war, waren die meisten Begriffe derselben geklärt, die größten Schwierigkeiten
überwunden. „Der reichste Fürst" wurde dann geschichtlich eingeleitet und
sodann vom Referenten erst mündlich frei erzählt, dann lesend vorgeführt. Nach
lesen der einzelnen Strophen in verschiedenster Weise folgte. Manche Ausdrücke
wurden sodann mit andern vertauscht. Endlich wurde das ganze Stück von den
Kleinen vorgetragen, schließlich in dramatischer Form. — Die ganze Durchführung
machte einen so wohlthuenden Eindruck, daß die Versammlung nicht umhin konnte,
den wackeren Collegen die vollste Anerkennung auszusprechen. —
Die Kinder verließen den Saal, nachdem sie noch zum Schluß drei mehr*
stimmige Gesänge ganz ausgezeichnet vorgetragen hatten. —
Die Verhandlungen wurden sodann mit Verlesung des vorigjährigen Proto
kolls fortgesetzt. Gleich nach Annahme derselben erbat sich ein Gast, Hr. Kauf
mann Schumacher aus Wermelskirchen, das Wort, um dem Vorstande
und der Conferenz in herzlicher Weise für die Ausfertigung der Gutachten zu
danken. Anschließend an diese Dankesworte, führte Herr Dörpfeld zunäckist
aus, daß auch die bergischen Lehrer ihrerseits Ursache hätten, den Herren aus
Wermelskirchen dankend zu begegnen; diese hätten endlich einmal veranlaßt, daß
auch praktische Schulmänner zum Ausspruch über praktische Schulfragen gelangt
wären. Daran knüpfte derselbe Referent die Mittheilung des Vorwortes, mit
dem die Gutachten den Weg in die Oeffentlichkeit betreten sollten. Auch dies
Vorwort, klar, frisch, treffend, stellenweis scharf schneidend, haben die Collegen
mit den Gutachten erhalten. Somit bedarf es an dieser Stelle nur noch des
Zusatzes, daß die Conferenz einstimmig durch Aufstehen und durch Zustimmungs
rufe zu erkennen gab, das Vorwort wäre ihr gleichsam aus der Seele geschrieben. —
Während des Mittagessens wurde
1) unseres erhabenen Kaisers in Liebe. Treue und Begeisterung gedacht;
2) für 1878 und 1879 die Herren Güldner und Schumacher in den
Vorstand gewählt;

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