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1. Abtheilung. Abhandlungen.
Schuld befreite Menschheit durchströmt. So kommt aus dem Verdienste seines
Todes der Menschheit Gerechtigkeit, aus der Kraft seiner Auferstehung aber
Heiligkeit und Seligkeit. Röm. 5, 10: „Denn so wir Gott versöhnet sind
durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, vielmehr werden wir
selig werden durch sein Leben, so wir nun versöhnet sind."
Was hat nun die Schule mit dieser Thatsache Gottes zur Erlösung
der Menschheit zu thun 1 Sie hat durch das Lesen der Evangelien ihre Schüler
mit Christus, welcher der Erlöser ist, bekannt zu machen,*) und zwar nach seiner
Einheit hinsichtlich seiner Naturen zu einer gottmenschlichen Person
wie nach seiner Einheit hinsichtlich seiner Person und seines Werkes.
Sie hat also dahin zu wirken, daß ihre Schüler den ganzen Christus in seiner
Einheit lebendig erfassen. Zuerst hat die Schule also die Einheit seiner Naturen
zur Anschauung zu bringen. In dieser Darstellung seines Lebens nach den
Zeugnissen der heiligen Schrift trete er den Schülern entgegen als des Menschen
Sohn, an dem sich der ganze Entwickelungsgang eines Menschen von der Geburt
bis zum Tode vollzieht, und als Gottes Sohn, bei dem das göttliche Leben
und Wesen in jedem Augenblicke in gleicher Weise da ist, das also nicht aus
jener Entwickelung erst herauswächst, sondern das in gleicher Fülle beim Anfange
seines irdischen Lebens schon vorhanden ist. wie es später in seinen Wundern,
in seiner Verklärung, Auferstehung und Himmelfahrt zur Erscheinung kommt.
Zu dieser Anschauung der Einheit seiner Naturen komme aber noch die Anschau
ung der Einheit seiner Person und seines Werkes. Person und Werk sind
eben so unzertrennlich, als seine Naturen in seiner Person; denn letzteres ist
eben nur die Wirkung von jener. Es würde als ein unrichtiges Verfahren zu
bezeichnen sein, wenn die Schule in seinem Worte und in seinen Thaten, in
seinem Leben und in seinem Leiden, in seiner Auferstehung und in seiner Himmel
fahrt Beweise für die göttliche Person suchen und davon den Glauben an seine
Person abhängig machen und ihn dadurch begründen wollte. Wer nicht an seine
Person glaubt, glaubt auch an seine Werke nicht. Umgekehrt hat sie, nachdem
sie ihre Schüler durch die vollgiltigen Zeugnisse der Propheten und Apostel, des
Vaters rc. zur Erkenntniß seiner Person geführt hat, die bezeichneten Thatsachen
als nothwendige Folgen oder Ausstrahlungen seines Wesens zu erfassen. Weil
er Gottes Sohn ist, thut er solche Zeichen. Ebenso unrichtig aber auch wäre
es, wollte die Schule darzustellen versuchen, wie Christus die Erlösung besonders
durch seine Lehre und sein Leben, oder vorzugsweise durch sein Leiden und Sterben
rc. vollbracht habe. Nicht Christus in seinen Einzelheiten, sondern der ganze
Christus ist der Erlöser. Wie wichtig aber die Erfassung des ganzen Erlösers
ist, wird sich in dem Folgenden noch deutlicher zeigen.
Durch den Eintritt des Sohnes Gottes in die Welt ist also diese erlöst.
Für den Einzelnen entsteht nun die Aufgabe, der Erlösung theilhaftig zu
werden. Die Aneignung der durch Christus bewirkten Erlösung aber geschieht
durch den Glauben, der die Buße zur Voraussetzung hat und von dem heiligen
Geiste mit seinen Gaben gewirkt wird. Daß dieser nicht ein bloßes auf
Beweise gegründetes Fürwahrhalten, sondern daß er das Erleben göttlicher That
*) Das schließt die neutestamentlichen Erzählungen in den biblischen Geschichtsstnnden nicht
aus. Diese Erzählungen sind für die Schüler Verheißungen, bis Er ihnen beim Lesen seiner
Lebensgeschichte vollständig entgegentritt.

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