390 II. Abtheilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
wehr gegen Ultramontanismus und Socialismus; die Schullasten würden gleich
vertheilt, dem Lehrermangel entgegengewirkt, eine sichere Schulbildung gefördert rc.
In der Schweiz, in Graubünden hat der Erziehungsrath die Verwandlung
der confessionellen Schulen in Paritätische beschlossen.
Doch haben sich auch Stimmen für Beibehaltung der Confessionsschulen er
hoben, und zwar nicht blos auf Seiten der hierarchisch Gesinnten und der streng
Confessionellen, die der Verfasser als die verblendeten Gegner der paritätischen
Schulen bezeichnet, sondern auch aus der evangelischen Mittelpartei und deren Organ,
den „deutsch-evangelischen Blättern" von Beyschlag. Die rheinische Provinzial-
Synode hat folgende Beschlüsse angenommen : „Das Recht evangelischer Familien
auf evangelische Erziehung ihrer Kinder ist unveräußerlich. Diese aber kann nicht
allein durch confessionellen Religionsunterricht, nur durch den ganzen evange
lischen Charakter der Schule erzielt werden. Die Einrichtung paritätischer Volks
schulen ist nur ausnahmsweise in Nothfällen zu gestatten, keineswegs aber in das
Belieben der Communalbehörden zu stellen. Behufs Beaufsichtigung der Schule
ist der Kirche eine ihren bedeutsamen Interessen an der Jugenderziehung entspre
chende Stellung im Schulvorstande zu gewähren. Bei der Prüfung und Anstel
lung der Religionslehrer gebührt der Kirche eine angemessene Mitwirkung. Stoff
und Maß des Religionsunterrichts in der Volksschule ist zwischen Staat und
Kirche zu vereinbaren.
Auch die protestantische Generalsynode in Baiern diesseits des Rheines ver
langte Beibehaltung des confessionellen Charakters der Volksschule, wie solches in
dem westfälischen Frieden und in der bayerischen Verfassung zugesichert sei. Die
Aufhebung derselben müsse durch Zweidrittel - Mehrheit nicht der bürgerlichen,
sondern der kirchlichen Gemeindevertretung beschlossen werden. Die Vertreter des
Staats- und Kirchenregiments versuchten vergebens die juristische, politische und
sociale Haltbarkeit dieser Forderung zu bekämpfen, und die günstigen Erfahrungen
mit den confessionell gemischten Schulen, für die es auch in Baiern nicht an
Beispielen fehlt, sowie den kommunalen und politischen Charakter der ganzen
Frage gegenüber dem einseitig kirchlichen zur Geltung und Anerkennung zu brin
gen. S. 3.
Dagegen muß der Vers. den Evangelischen in Oesterreich beistimmen, daß
diese darauf ausgehen, ihre Confessionsschulen zu erhalten. „Es sei dies für dieselben
eine Nothwendigkeit, da sie mit wenigen Ausnahmen keine geschlossene sondern weit
ausgedehnte Pfarrbezirke, deren Angehörige oft in mehr als hundert Ortschaften
zerstreut wohnten, bildeten. Würden sie ihre Confessionsschulen aufgeben und ihre
Kinder in die Communalschulen schicken, so müßte es für den ev. Pfarrer absolut
unmöglich sein, in den 40 bis 100 Communalschulen seines Bezirks den je
zwei bis drei Kindern seiner Kirche den Religionsunterricht zu ertheilen. Es
würden also dann die meisten derselben bis zum Verlassen der Volksschule ganz
ohne Religionsunterricht aufwachsen müssen." Aber denkt denn Herr Seyffarth
nicht daran, daß es in Oesterreich auch evang. Gemeinden giebt, die zusammen
wohnen und die gleichfalls ihre Confessionsschulen zu erhalten wünschen? Die
Evangelischen wollen ihre Kinder evang. erziehen lassen; darum kämpfen sie für
ihre Schulen, müssen aber zusehen, daß eine nach der andern aus Mangel an
Mitteln zu Grunde geht.
Für die Ausschließung des Religionsunterrichts aus den Volksschulen hat sich
auch im vorigen Jahr in Deutschland unter den Lehrern kaum eine Stimme er

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