Chronik des Volksschulwesens.
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„die biblische Geschichte" unser Feld, „lieb und werth" machen unsere
Methode, „singen und loben" die Krone unseres religiösen Unterrichts, dann
—: hört der Herr, was unsere Kinder sagen? und Ja! lautet die volle Ant
wort aus seinem Munde selbst. —
Jesus schaut unwillig auf die Jünger, die da anfahren die, welche die Klei
nen ihm zuführten; — wer weiß, ob nicht die Zeit nahe, in der viele Jünger
erschrecken vor diesem Angesichte ihres Herrn! —
Der Herr antwortet seinen Gegnern fest und bestimmt; wer weiß, ob nicht
an seinem „Ja, ich höre!" die Feinde lahm werden! —
Beide Abschnitte seien uns eine frohe Weissagung: die Schule hat eine
Zukunft! Denn — Jesus nimmt sich der ganzen Welt gegenüber der Kin
der an,^so gestern, so heut, so auch in Ewigkeit. Ihm die Ehre! Ihm ein
frohes Loblied! —
„Chronik des Volksschulwesens."
(Mittheilungen und Betrachtungen von K. Strack, Pfr. u. Dekan zu Lang-Göns
bei Gießen.)
I.
Unter dem Titel wie in der Ueberschrift erscheint zum 14. Mal eine über
sichtliche Darstellung dessen, was auf dem Gebiete des Volkssckulwesens in allen
Culturstaaten nicht blos Europa's, sondern auch der übrigen Erdtheile besonders
Wichtiges und Merkwürdiges geschehen ist. Der 14. Jahrgang, welcher das
Jahr 1878 behandelt, ist von bedeutend größerem Umfang als die vorhergehenden
und in einen anderen Verlag, (in den von E. Morgenstern in Breslau) über
gegangen. Der Herausgeber der letzten Jahrgänge, L. W. Seyffarth, past.
prim, zu Liegnitz, hat sich diesmal eine Anzahl Mitarbeiter zugesellt, welche die
einzelnen Disciplinen bearbeitet haben. Sonst ist das Ganze in demselben libe
ralen, um nicht zu sagen nltraliberalen Geist abgefaßt, wie die früheren Jahr
gänge. Eine erfreuliche Thatsache, die aus den Mittheilungen hervorgeht, ist eö,
daß man fast allenthalben in Beziehung auf das Volksschulwesen vorwärts schreitet,
wie auch schon die Weltausstellung in Paris bewiesen hat. Selbst in Ländern,
wo es bisher noch übel bestellt war, wird dem Schulwesen größere Aufmerksam
keit gewidmet.
In Italien ist der Volksschulunterricht seit 1877 obligatorisch geworden;
es sind gegenwärtig 47,411 Schulen vorhanden, 37,623 öffentliche und 9462
private mit 23,267 Lehrern und 23,818 Lehrerinnen, dabei bilden allerdings die
einklassigen Schulen, in denen lediglich das Lesen und Schreiben, sowie die An
fänge des Rechnens gelehrt und geübt werden, die weitaus größere Mehrzahl.
Von den 172,604 Rekruten des Jahres 1877 waren noch 95,442 ohne allen
Unterricht. Bei der Ausstellung in Paris mußte man anerkennen, daß sich der
Staat alle Mühe gibt, die Sache des Volksunterrichts zu fördern.
In Griechenland zeigt sich trotz der ungünstigen Zeit vielfach ein unver
kennbarer Eifer für Hebung des Schulwesens, wie sich schon aus der Heran
ziehung auswärtiger Lehrer erkennen läßt. Namentlich offenbart sich dies auch
bei den Griechen in den türkischen Provinzen. In Thrazien, Mazedonien und
Epirus unterhalten die Griechen Seminare, in welchen aus verschiedenen weit
entlegenen Ländern Volksgenossen sich einfinden, um sich zu griechischen Lehrern
auszubilden.

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