290
Deutsche Schulzeitung.,
Zur gesegneten Behandlung der vaterländischen Geschichte gehört noch etwas
anderes als Kenntnis der formal-methodischen Grundsätze. Diese metho
dischen Grundsätze kann jedermann lernen, wenn er einen sicheren Lehrmeister hat;
aber wenn sie gelernt sind und praktisch ganz richtig und geschickt befolgt werden,
so kann möglicherweise doch noch etwas Wichtiges fehlen. Warum? Im Geschichts
unterricht genügt es nicht, die Schüler mit den historischen Personen, Ereignissen
und Zahlen so bekannt zu machen, daß sie darüber wie über die darin enthaltenen
kulturhistorischen und ethischen Verhältnisse in der Prüfung schulgerecht zu reden
wissen. Es handelt sich in letzter Instanz vielmehr um einen reelleren, höheren
Gewinn, um den Gewinn für die Prüfung des Lebens; und der kann dort
trotz alles Wissens vielleicht höchst gering sein. Das weiß allerdings auch schon
die formale Didaktik, wenn sie rechter Art ist; und ihre Methodik, wenn sie
rechter Art ist, weiß auch für jenen höheren Zweck schätzenswerte Ratschläge
zu geben, und diese Ratschläge ruhen auf psychologischen Gesetzen, die sich, wie
alle Naturgesetze, nicht ungestraft ignorieren lassen. Allein die formale Methodik
kann nicht alles lehren, was für jenen höher« Zweck erforderlich ist; das liegt
nicht in ihrem Vermögen, auch nicht in ihrem Beruf. Was zur Methode hinzu
treten, sie beleben und durchweben, ihr Kraft und Nachdruck geben muß, läßt
sich nicht so lernen und aneignen, wie man ein Stück Wissenschaft sich aneignet:
es hängt vielmehr mit dem Innersten der Persönlichkeit des Lehrers zu
sammen; es will daher weniger aus Büchern als durch Lebenserfahrung
gelernt, weniger gelernt als erlebt sein, kurz, es muß aus dem Grunde des
Herzens erwachsen — freilich nicht des „natürlichen", denn auch hier trifft das
Wort zu: der natürliche (seelische) Mensch vernimmt nicht, was des Geistes Gottes
ist." Summa: in allen Lehrfächern, wo es darauf ankommt, vermittelst des
Stoffes das Gemüt und den Willen zu erwecken, zu bilden und zu kräf
tigen, will das, wodurch die formell-richtige Lehrweise zur ethisch wirksamen, zur
wahrhaft geist- und kraftbildenden erhoben wird, an der Hand des göttlichen
Wortes, in der Schule des heil. Geistes erlernt, erbeten und erkämpft sein.
Speciell auf unsern Lehrgegenstand angewandt, heißt das mit andern Worten:
die vaterländische Geschichte muß in einem Sinne gelehrt werden, der auf der
christlichen, will sagen: auf der biblisch-christlichen Lebensanschau-
ung ruht.
Betrachten wir diesen Grundsatz noch etwas näher.
Die heil. Schrift lehrt uns nicht bloß, was Gott der Herr zum Heil der
verlornen Menschheit gethan hat, sondern giebt uns in ihren Geschichten auch
Fingerzeige, daß er es ist, der die Völker führt, leitet und regiert. Faßt der
Lehrer die Weltbegebenheiten, die in der heil. Schrift erzählt sind, unter dem
Gesichtspunkte auf, daß überall der Allmächtige seine Hand im Spiel gehabt hat,
so wird er erkennen, daß die Weltgeschichte auch heute noch unter göttlichem Ein-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.