250 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographieen rc.
das Gericht halten wird, denn sie werden (Matth. 25, 44) sagen: „Herr, wann
haben wir dich gesehen hungrig und durstig rc. und haben dir nicht gedienet?"
Der Herr aber erleuchte unsre Herzen, daß wir uns unter sein Wort
stellen: „Alle Menschen sind Lügner," und mit Selbstgericht und Selbstanklage,
womit die rechte Buße beginnt, uns zu Gottes Wort wenden unter dem Flehen:
„Laß Deinen Knecht Dein Gesetz festiglich für Dein Wort achten, auf daß ich Dich
fürchte!" Br.
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Prüfende Blicke ins Volksschulwesen während der letzten
Jahre, auf Grund der Schulchronik von Seyffarth und
des Päd. Jahresbericht von Dittes.
(Bon K. Strack, Dekan zu Lang-Göns.)
Bedeutende Beränderungen, wir wollen sagen Fortschritte, hat das letzte
Jahrzehnt auf dem Gebiete des Volksschulwesens hervorgebracht. Der Minister
Falk konnte sich rühmen, daß während seines Ministeriums 400000 Kinder zum
Schulbesuch gebracht worden wären, die sonst nimmer eine Schule besucht hätten.
Das Budget fürs Schulwesen ist allenthalben in früher nie geahnter Weise ge
wachsen. In Hessen-Darmstadt betrug vor 30—40 Jahren der Minimal
gehalt eines Lehrers 155 fl. - circa 265 Mk.; Stellen mit 400—500 fl. oder
685—860 Mk. gehörten schon zu den seltenen Pfründen. Dabei wurde die
Wohnung mit 10—20 fl. in Anschlag gebracht. Jetzt ist der Minimalgehalt
eines Vikars 600 Mk., und wenn er die Definitorialprüfung bestanden hat, 700 Mk.
Der Minimalgehalt eines definitiv angestellten Lehrers beträgt 900 Mk., in
größeren Gemeinden und in Städten 1000—1200 Mk. und mehr, er steigt
durch regelmäßige Alterszulagen bis 1400, ja in Städten bis 2000 und 2400 Mk.
Der Meßner- und Glöcknerdienst ist den Lehrern abgenommen, für das Orgelspiel
erhallen dieselben 100—200 Mk. extra, ebenso für jede Stunde in der Fort
bildungsschule 1 —-1V2 Mk.; sie werden wie die Staatsdiener pensioniert, die
Wohnung wird ihnen nicht angerechnet. Im kleinen Herzogtum Anhalt betrug
1871 der Staatszuschuß zu den Kosten des Unterrichtswesens 312 432 Mk.,
während der Unterrichtsetat für 1881 eine Ausgabe von 1 320 679 Mk. nach
weist, welcher nur eine Einnahme von 261 927 Mk. gegenübersteht. In Berlin
betragen die Gesamtausgaben für die Gemeindeschulen 5113441 Mk. d. h.
495185 Mk. mehr als im Jahre vorher. In Frankreich sind von 1870—80
die Leistungen der Staatskasse für Unterrichtszwecke von 26 Mill. auf 55 Mill.
Fr. gestiegen. In Dänemark wechselt das Einkommen der Stellen zwischen
500—3000 Kronen.*)
*) 8 Kronen sind 9 Mark.

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