Frankfurt a. M. zur Schulorganisationsfrage.
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Die Wahrheit dieser Ausführungen wird auch durch die Erfahrung in den
Ferienkolonien bestätigt. Je größer die Altersunterschiede der in einer Kolonie
vereinigten Pfleglinge sind, desto leichter ist es, dem Leben in der Kolonie den
Charakter einer Familie zu geben und desto geringer sind die Schwierigkeiten in
der Leitung derselben.
Wir stimmen darum Dr. Beith vollständig bei in der Behauptung, daß die
vierklassige Volksschule in erziehlicher Hinsicht mehr leisten kann als die
achtklassige Schule.
Doch auch für die geistige Bildung hat die vierklassige Volksschule große
Vorzüge. In dieser Beziehung sagt Dr. Veith: „Der Hauptvorteil, den Klassen
mit zwei Jahrgängen bei geschicktem Verfahren gewinnen, besteht nach meinen
Beobachtungen darin, daß die Schüler durch die zweimalige Durchnahme der
meisten Unterrichtsstoffe in ihrem Wissen und Können sicherer werden, als dies
in den vielgliedrigen Schulen der Fall ist. Was ich in dieser Hinsicht während
der Zeit meines Rektorates an zwei vierklassigen Volksschulen bei Mitinbetracht-
nähme der Erfahrungen, die ich in siebenjähriger Lehrthätigkeit an der Wöhler-
schule (Realgymnasium) gewonnen hatte, ist mir durch meine Beobachtungen an
der neunklassigen Humboldtschule (höhere Mädchenschule) zur vollen Gewißheit ge
worden: man kann in der acht- und neunklassigen Schule mehr Unter
richtsstoff durchnehmen und mehr Lehrgegenstände betreiben, aber in
der vierklassigen Schule wird bei entsprechender Beschränkung des
Lehrplanes fester gelernt."
Zunächst profitieren auch in dieser Hinsicht die jüngeren Schüler von den
älteren; dann wird das Einüben und Auswendiglernen möglichst in der Klasse
selbst bewirkt; ferner sprechen die Störungen des Schulbesuches für zweijährige
Kurse. Die Unterbrechungen sind in größeren Städten so stark, daß eine zwei
malige Durchnahme des Pensums unbedingt erforderlich ist. Ein anderer Grund
liegt in den in der Großstadt notwendigen Einschulungen während des Schuljahres.
Da fehlt es dem einen im Deutschen, dem anderen im Rechnen. „In derartigen
Fällen hat es sich als zweckdienlich erwiesen, die Neulinge anfangs in dem einen
Hauptgegenstand in der oberen, in dem anderen in der unteren Abteilung mit
arbeiten zu lassen und zwar so lange, bis entweder eine einigermaßen befriedigende
Ausgleichung bewirkt, oder die Überzeugung gewonnen war, daß das fragliche
Kind entschieden in die untere Abteilung gehöre."
Gegen die allgemeine Volksschule erklärt sich Dr. Veith auch: „Kein Schul
mann, der auf dem Boden gereifter Erfahrung steht, und die geschicht
liche Entwicklung unseres Schulwesens und unserer socialen Verhält
nisse beachtet, wird daher von einer gewaltsamen, naturwidrigen
Zusammenpressung ungleichartiger Elemente, wie sie mit der allge
meinen Volksschule erstrebt wird, irgend welches Heil erwarten."
Ein wirklich vorhandener Übelstand ist dagegen die große Klassenfrequenz,
welche eine Durchschnittszahl von 67 Schülern für eine Klasse ergiebt. Das ist
entschieden zu viel, hier thut Abhilfe dringend not.
Vor allen Dingen aber, und es freut uns, daß Dr. Veith das auch betont,
sollen die Volksschulen nicht solche Kolosse sein. In dieser Beziehung sei nur er
wähnt, daß 4885 — leider habe ich ein neueres Programm nicht zur Hand —
die Annaschule von 1043 Schülerinnen besucht wurde, die in 16 Klassen von
22 Lehrern unterrichtet wurden, die Bornheimer Volksschule zählte sogar in 26
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