434 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
Klassen 1618 Schüler. Das sind keine Schulen mehr, das sind, wie Herr Rektor
Dörpfeld bezeichnend sagt, „Schulkasernen".
Wie soll da der Rektor die schwierige Aufgabe lösen, ein harmonisches Zu
sammenwirken aller Kräfte herzustellen?
Wir glauben, daß die ruhigen, sachgemäßen Darlegungen des Herrn Veith
auf fruchtbaren Boden fallen werden. Auf einen Punkt hätte er übrigens auf
merksam zu machen nicht unterlassen sollen. Wir meinen die Sitte oder Unsitte,
nur junge Lehrer —- in Fr. nur unter 26 Jahren — anzustellen.
Im Interesse der Schule liegt dies gewiß nicht, und die finanzielle
Ersparnis ist nur eine zeitweilige, da ja die Lehrergehälter später um so größere
Summen ausmachen, wenn die jungen Lehrer einmal alte werden. Außerdem
ist dies Verfahren älteren Lehrern gegenüber eine Ungerechtigkeit.
In Frankfurt ist es gelegentlich der Einziehung der Reserve anfangs dieses
Jahres vorgekommen, daß in einer einzigen Schule — ich glaube, nicht zu irren —
19 Lehrer fehlten.
Das Motto des Herrn Veith „Gute Lehrer machen gute Schulen" ist in
dieser Allgemeinheit nicht zu rechtfertigen. Denn da wäre die Diskussion über
Organisationsfragen überflüssig.
E. Zr.
Die allgemeine Volksschullehrerversammlung (Seminar
konferenz) zu Erfurt am 30. Juni 1887.
Schon die Vorversammlung war recht gut besucht. Gegen 300 Lehrer und
Freunde des Volksschulwesens hatten sich am Abend des 29. Juni in Steinigers
Gasthaus zur Vorfeier eingefunden. Nachdem von der Versammlung das herrliche
Bundeslied Mozarts: „Brüder reicht die Hand zum Bunde" gesungen worden
war, wandte sich der Vorsitzende des Erfurter Lehrervereins, Herr Lehrer Thiel,
mit einem herzlichen Willkommengruß an die erschienenen Berufsgenossen. Er be
tonte, daß Erfurt als die geistige Wiege der Mehrzahl der Anwesenden am besten
geeignet sei, das Bewußtsein eines gemeinsamen Berufes bei der heutigen Viel
gestaltigkeit der Schulverhältnisse in den Lehrern zu stärken. Eine Versammlung
an diesem Orte biete die Bürgschaft, daß das Gefühl der Zusammengehörigkeit
zwischen den getrennt wirkenden Kollegen voll und ganz zum Ausdruck komme.
Im Anschluß an das von einem Erfurter Lehrer vorgetragene patriotische Lied:
„Es wurzelt ein Baum tief im Preußenland" brachte der genannte Vorsitzende
ein Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser aus. Die Anwesenden stimmten
begeistert ein und sangen hierauf stehend eine Strophe der National-Hymne: „Heil
dir im Siegerkranz."
Im Namen des Seminars bot nun Herr Seminardirektor Herrmann allen
Anwesenden, Lehrern und Freunden und Gönnern der Schule seinen herzlichen
Gruß. Er erzählte in fesselnder Weise, wie er vor wenigen Tagen auf einem
Ausfluge, den das Erfurter Seminar nach Ilmenau unternommen hatte, beim
Anblicke des Hermannsteins den Stoff zu seiner heutigen Begrüßung gefunden
habe. Sein Auge habe aus dem Gipfel jenes Steines 2 Fichten wahrgenommen,
die ihm als ein treues Abbild der Lehrer erschienen seien. Die Fichten stehen auf
felsigem, dürrem Grunde nahe bei einander, ihre Zweige sind verschlungen, junge

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