222 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
am „verstände und memorien geschatt." An anderer Stelle bekennt er mit rührender
Offenheit seine Jugendsünden, hat er doch im Vorwort den zukünftigen Hausvater
von Weinsberg gebeten, daß er möge „bewaren dis Boich in gutter, gewisser hutt,
daß es nit jederman unter die hende bekommt."
Wegen der unerträglichen Verhältnisse in der Burse legt er dann sein Rek
torat nieder, wird 1543 in den Rat gewählt und bald darauf Lizentiat der
Rechte. Im nächsten Jahre holt sich der 26jährige einen Korb bei der 48jährigen
Witwe Gretchen Meinerzhagen zum Kranz auf dem Altmarkt, „welches Haus sie
kürzlich gebaut hatte und war eine sehr reiche Frau." Ein Versuch, mit der
Advokatenpraxis zu beginnen, scheint auch wenig Erfolg gehabt zu haben — „aber
in dem Planeten bin ich villicht nit geboren, das mir sulches geburren mochte. Ich
hatte auch die gnade von gode dem Herren nit, das ich redselig wäre" — und
so beteiligt er sich denn in den nächsten Jahren stark au dem Geschäfte seines
Vaters, führt dessen Prozesse, macht Weineinkäufe für ihn u. s. w., während er
eine ihm angebotene kirchliche Stelle ausschlägt. Im Jahre 1548 heiratet er
endlich eine Witwe Weisgin Ripgin ; sie war gottesfürchtig, tugendsam, erwerbsam,
fröhlich und friedsam und brachte ihm ein Haus, ein blühendes Geschäft und zwei
Kinder zu. „Das sei aber kinter hatte, deß moißt ich mich getrosten, so hatt sei
dargegen narung, inkomst und einen gefotzten stuil; dan wer kan alle hecken
scheuwen." Die Frau betreibt ihr Geschäft ruhig weiter, der Mann zapft Wein
aus; denn dem Vater ist dies seiner Stellung wegen nicht mehr gestattet. Und so
leben beide glücklich und zufrieden.
Wie Weinsberg seine erste Kleidung beschreibt, so schildert er auch, wie er
sich als Schüler und als Student kleidete. Sein Hochzeitsrock war aus schwarzer
Wolle, mit Marder gefüttert und besetzt und hatte sammtverzierte Ärmel. Seinem
Vollbart, den er im 26. Jahre sich wachsen ließ, widmet er gleichfalls ein be
sonderes Kapitel. So enthält das auch in sprachlicher Hinsicht wertvolle „Gedenk
buch" eine Menge bedeutungsvoller und interessanter Einzelheiten, so daß eine
Auswahl schwer ist. _
Wie schon bemerkt, umfaßt der 1. Band die ersten 33 Jahre seines Lebens:
„A. 1551 den 3. aprilis bin ich sündiger armer mensch so alt gewest als min
gott und her Jhesus Christus nach der Menschheit was, do hie gekrutzigt wart,
und ich hab duck gehört, das sulch alter, nemlich 33 jar, das volkomenste alter
sei und das zum jonxten tag alle menschen vur dem richtstuil Christen in sulcher
gestalt erscheinen sollen, als weren sei 33 jar alt, sei stürben glich in der kintheit
oder alterdum." C. Ziegler.
Allerlei.
Vom zwölften weftfälifchen Lehrertage in Witten. Den ersten Vortrag
hielt am 3. April d. I. Herr Lehrer Beckmann-Berghofen über die Stellung der
Lehrer zur Schulverwaltung. Die Versammlung stimmte folgenden Thesen zu:
I. Die Schulverwaltung — bedarf — — dringend der Reform. II. Nach dem
Vorgänge anderer Kulturstaaten ist auch in Preußen dem Lehrer thätiger Anteil
an der Schulverwaltung, insbesondere Sitz und Stimme im Ortsschulvorstande zu
gewähren; weil a) der Schulvorstand des technischen Beirates nicht entbehren kann,
b) die Schulangelegenheiten dann rascher und besser gefördert und erledigt werden,

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