Lernt, denn ihr seid gewarnt.
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Philosophie geleistet hat; wir dürfen aber nicht bei ihm stehen bleiben. Unser
Jahrhundert weist auch der Philosophie und der Pädagogik neue Aufgaben zu.
An der Spitze meiner Bemerkungen über Socialethik hätte als Motto das
von Herrn Grabs gegen mich angeführte Wort Schäffles stehen können: „Die
Hauptquelle .... ist der Mangel einer öffentlichen (socialen) Moral für
die komplexen öffentlichen Angelegenheiten u. s. w." Ebenso würde sich alles
Übrige, was zur Widerlegung gegen mich gesagt wird, gar bald zurecht rücken,
wenn nur Herr Grabs nicht gegen etwas kämpfte, was ich genau besehen, gar
nicht behauptet habe, wenigstens nicht generell. „Unklarheiten" sollte ein Leser
überhaupt nicht bloß beim Schreiber, sondern auch bei sich selber suchen. Manches
möchte sich dann gar bald klären. Das gilt z. B. auch von dem „Kulturgute"
und dessen Verhältnis zum „guten Willen."
Meine Abhandlung ist inzwischen in einer Umarbeitung im Buchhandel er
schienen.*) Eine scharfe, aber unbefangene Kritik möchte ich damit herausfordern.
Ich werde auch für jeden Nachweis von Irrtümern dankbar sein.
Lernt, denn ihr seid gewarnt!
Die Erregung, welche infolge der Ausführungen des Dr. Dittes auf dem
Deutschen Lehrertage naturgemäß in der pädagogischen, kirchlichen und politischen
Welt zutage treten mußte und zutage getreten ist, muß einer ruhigen Überlegung
weichen. Die Stimmen pro und kontra, namentlich in den politischen Blättern,
haben wenig von Belang zutage gefördert. Während die freisinnigen und demo
kratischen Kreise Dittes verhimmelten und seinen Ideen als der Weisheit letzten
Schluß am liebsten sofort die Thüren der Schule geöffnet hätten, gefiel man sich
in der kirchlichen und konservativen Presse vielfach in einem Tone der höchsten
Entrüstung angegriffener Autorität, oder man begleitete das Gesagte mit einem
vornehmen spöttischen Lächeln. Hier und da erging man sich auch in Drohungen,
hinfort die Herrschaft der Geistlichkeit über die Schule zu vermehren. Zu einer
rein sachlichen, unvoreingenommenen Kritik ist man nur an wenigen Stellen gelangt.
Das eben ist das Bedauernswerte, daß man schlechterdings nichts ohne das Hörrohr
der Partei vernehmen kann oder mag.
Bei der Beurteilung der Dittesschen Grundsätze macht man fast überall den
Dentschen Lehrertag für das Gesagte mit verantwortlich. Inwieweit es mit Recht
geschieht, soll das Nachfolgende darlegen. Von vornherein war von Dittes bei
dem einschlägigen Thema nichts wesentlich anderes zu erwarten. Das wußten auch
die leitenden Persönlichkeiten des deutschen Lehrervereius sehr wohl, als sie ihn für
den Vortrag warben. Sie wollten eben einen Vortrag in dem bezeichneten Fahr
wasser, waren sie doch gewiß, einen großen Teil der deutschen Lehrerschaft, den
größten im „Deutschen Lehrerverein" hinter sich zu haben. Wie sehr sie recht
hatten, beweist der Jubel, mit dem Dittes, der „Vorkämpfer einer freiheitlichen
Gestaltung des Schulwesens" empfangen wurde, das beweist auch der Beifalls
sturm am Schluffe, „wie ihn noch niemals eine Lehrerversammlung sich hat ent
fesseln sehen." „Herrlich! Etwas dunkel zwar; aber's klingt recht wunderbar!"
*) Die Schule und die socialen Fragen unserer Zeit. I Heft: Die
Schule und ihr Verhältnis zum socialen Leben. Gütersloh, Bertelsmann. 1890.

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