320 n, Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
War denn nur ein Ausländer imstande, die Bedeutung Diesterwegs zu würdigen?
Man antworte nicht, Dittes sei kein Ausländer für die deutsche Pädagogik, er
sei vornehmlich deutscher Pädagog, dazu der bedeutendsten einer, welche unsere
Zeit besitzt.
Dittes' Verdienste um die Schule seien nicht abgeleugnet. Seine Schriften
haben zur Verbreitung pädagogischer Bildung viel beigetragen. Den von ihm
redigierten pädagogischen Zeitschriften wird man seine Anerkennung nicht versagen.
Auch für die Hebung des Schulwesens hat Dittes mit Einsetzung aller Kräfte
gekämpft, allerdings in einem Tone, den wir nicht gutzuheißen vermögen. Aber,
wenn man ihn jetzt „der deutschen Volksschule Eckstein, der Lehrer Edelstein" oder
sonstwie in allen möglichen Tonarten ansingen hört, so staunt man über eine der
artige Unkenntnis der Geschichte der Pädagogik. Wo in aller Welt haben sich
denn die Verdienste des Herrn Dittes über Nacht so aufgetürmt, daß man darob
fast nichts anderes mehr zu erblicken vermag? Ein Originalpädagoge ist er
keineswegs. Diesterweg vermag er nicht das Wasser zu reichen. Eins namentlich
ist Dittes eigen, was ihn so abstoßend macht: das hochmütige Aburteilen und
die Autoritätshascherei.
Die Sachlage ist meines Erachtens die: Den Leitern des deutschen Lehrer
vereins war es nicht nur um die Klarstellung der pädagogischen Bedeutung Diester
wegs zu thun. Man wollte eine große freisinnige Kundgebung für den „fort
schrittlichen Pädagogen Diesterweg". Deutschlands Lehrer sollten für Deutschlands
politisch-pädagogische Agitatoren ausgespielt werden. Dazu brauchte man einen
Mann, der in dem bezeichneten Sinne bereits Ruf besitzt, dazu brauchte man
eineu — Ausländer. Der durfte ja den Leitern des heimischen Schulwesens
ungeschminkt sagen, was er auf dem Herzen hatte. Wer war dazu geeigneter
als Dittes?
Man wird die Berechtigung meiner Behauptungen bestreiten. Die Sachlage
ist trotz alledem die von mir gekennzeichnete.
Sehen wir nun zu, inwieweit die deutschen Lehrer überhaupt für Dittes'
Auslassungen mit verantwortlich gemacht werden können! Von vornherein sind
diejenigen auszuscheiden, welche auf dem Lehrertage weder selbst anwesend noch
durch Delegierte vertreten waren. Auszunehmen sind sodann diejenigen vertretenen,
welche dem Gesagten nicht zustimmen, und deren sind nach unserer Überzeugung
und Erfahrung sehr viele. Zu unserer lebhaften Befriedigung ist auch aus dem
Lehrertage selbst heraus Widerspruch laut geworden. Der Obmann des rheinischen
Provinzialvereins hat Verwahrung eingelegt, wie denn die rheinische Lehrerschaft
in ihrer überwältigenden Mehrheit noch immer den Gedankenkreisen, welchen jetzt
Dittes Ausdruck verliehen hat, fremd gegenüber stand.
Das aber muß unbedingt zugegeben werden, daß die erdrückende Mehrzahl
der Anwesenden sich für Dittes' Ausführungen begeisterte. Fragen wir uns nun
nach dem Grunde dieser auffälligen Erscheinung! Sollte wirklich eine so große
Anzahl unserer Lehrer dem Banne antichristlicher Tendenzen verfallen, ihr Glaubens
bekenntnis ihnen soviel wert sein, wie etwa ein altes, unmodernes Gewand? Wir
glauben bestimmt, daß dem nicht so ist. Daß ein wahrhaft wirkungsvoller Re
ligionsunterricht nur auf konfessionellem Boden möglich ist, steht für uns fest.
Inwiefern muß denn damit so ixso der Hadergeist beschworen werden? Die
große Mehrheit des Volkes steht, das ist gewiß, auf echt christlichem Boden. Auch
in unserem Osten werden Dittes' Worte wenig Wiederhall finden. So sagte

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