Lernt, denn ihr seid gewarnt.
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z. B. das Bromberger Tageblatt bald nach der Versammlung: „Der deutsche
Lehrertag kann versichert sein, daß der überwiegende Teil des Volkes, der Eltern,
von den Grundsätzen des Herrn Dittes aus Wien nichts wissen will und daß
man es jetzt mehr als je für nötig erachtet, den Einfluß der Geistlichkeit auf die
Schule zu erhöhen, damit den Kindern keine allgemeine, sondern die Religion ihrer
Eltern gelehrt werde."
Nun wäre es — das möchten wir hier mit besonderem Nachdrucke hervor
heben — völlig verkehrt, wenn man den Einfluß der Geistlichkeit auf die Schule
erhöhen wollte, um die Lehrer der Kirche zu erhalten, bzw. zu gewinnen. Das
strikte Ggenteil würde damit bewirkt. Das gerade ist die Ursache, weswegen ein
so integrierender Teil der Lehrerschaft dem radikalen Fahrwasser zusteuert, daß die
Geistlichkeit bisher und im allgemeinen auch jetzt noch die Schule und ihre Diener
in unmotivierter Weise bevormundet. Wer Wind säet, wird Sturm ernten. Ich
weiß, daß hier vielfach auf befreundeter Seite Widerspruch laut werden wird, daß
diese meine Zeilen also Freund und Feind vor den Kopf stoßen werden. Sei es!
Es ist endlich an der Zeit, falsche Rücksichten fallen zu lassen. Man wird meiner
Warnung zum mindesten nicht die gute Absicht absprechen können.
Um also den Hauptpunkt noch einmal klar herauszustellen: Wir sind fest
überzeugt, daß es nicht Irreligiosität, Kirchenfeindlichkeit war,
was die große Mehrheit der Lehrer Dittes Ausführungen zu
jubeln ließ, sondern das hell entfachte Dankgefühl für dessen
warmes Eintreten für ihre Interessen. Nicht gegen die Religion war
die so allgemeine sichtbare Animosität gerichtet, sondern gegen die geistliche Be
vormundung. Die geistliche Schulaufsicht hat den Geist in jenen Kreisen groß
gezogen. Fern sei es uns, hierbei in jene Klagen über verkehrte Handhabung
der Schulinspektion durch die Geistlichen einstimmen zu wollen. Vieles an diesen
Klagen mag berechtigt sein, ebenso vieles unberechtigt. Doch war das Verhältnis
des Pfarrers zum Lehrer, bedingt durch das des Vorgesetzten zum Untergebenen,
nicht geeignet, ein herzliches Einvernehmen aufkommen zu lassen, wie es im
Interesse des Verhältnisses von Kirche und Schule so wünschenswert gewesen wäre,
wo nicht die Art der Persönlichkeiten von segensreichem Einflüsse war.
Schon vor einer Reihe von Jahren ist von hochgeschätzter Seite in obigem
Sinne die warnende Stimme erhoben worden,*) und zwar ist es von einem
Manne geschehen, der auf durchaus positiv kirchlichem Standpunkte steht, erhaben
gegen etwaige Verdächtigungen — von Dörpfeld.
Als in den 70er Jahren die Verhandlungen für und wider die Simultan
schule einen breiten Raum auf der Tagesordnung aller politischen, kirchlichen und
*) Eben entdecken wir, daß auch das „Berliner Tageblatt" die Sachlage richtig
erfaßt hat «selbstredend ist die Endabsicht dort und bei uns eine principiell verschiedene).
Es heißt in Nr. 282 vom 7. Juni: „Die Lehrerschaft sehnt sich in ihrer Gesamtheit nach
Befreiung von einer unerträglich gewordenen Bevormundung durch die Geistlichkeit. Sie
will nicht unter, sondern neben der Geistlichkeit stehen, ein Wunsch, den alle Lehrer ohne
Ausnahme teilen, von dem äußersten linken bis zum äußersten rechten Flügel: Weil Dr.
Dittes diesem alle beherrschenden Gedanken in mächtig zündender Rede Ausdruck verlieh,
und weil die deutsche Lehrerschaft in diesem sehr mit Unrecht (?) als „Fremdling" be
zeichneten Manne — Dr. Dittes ist Reichsdeutscher und hat als Gothaischer Schulrat
die Direktion des Wiener Pädagogiums übernommen — seit lange den unerschrockensten
Kämpfer gegen das kirchliche Schulregime verehrt, fand er den beispiellosen Beifall, nicht
wegen seines Eintretens für den allgemeinen Religionsunterricht."

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