Verein für Herbartische Pädagogik in Rheinland und Westfalen.
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Glaubens nie zu verfinstern vermocht, und den Grundton seines Wesens bildet
doch jene selige Gewißheit, welche er in jener ekstatischen Weihestunde seines Lebens
erlangt hat, von welcher der merkwürdige Pergamentstreifen Zeugnis ablegt, den
mau nach seinem Tode in seinem Kleide eingenäht fand: „Im Jahre der Gnade,
1654," beginnt derselbe, „Montag, den 23. November, am Tage des heiligen
Clemens, des Papstes und Märtyrers, am Abend vor S. Chrysogonus, dem
Märtyrer, von halb 11 Uhr nachts bis halb 1 Uhr nach Mitternacht: — Licht.
Der Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs. Nicht der Philosophen und
der Weisen. Gewißheit. Gewißheit. Empfindung. Freude. Friede. Gott Jesu
Christi. Vergessen der Welt und aller Dinge mit Ausnahme Gottes. Er wird
nur auf dem im Evangelium bezeichneten Wege gefunden. Größe der mensch
lichen Seele. Christus, Christus.
Ich habe mich von ihm getrennt, ich habe ihn geflohen, verleugnet, gekreu
zigt! Daß ich nie mehr von ihm getrennt würde. Völlige, süße Entsagung!
Ewige Freude für den Übungstag (jour d’exercice) auf Erden.
Non obliviscar sermones tuos.“
So steht Pascal da als ein hervorragender Wegweiser aus dem Zweifel
zum Glauben. Er wendet sich ausdrücklich an die Zweifler, welche unter ihrem
Unglauben aufrichtig seufzen, denselben als ihr größtes Unglück empfinden, und
alles aufbieten, um aus ihm herauszukommen. Diese aufrichtigen Zweifler werden
aber in Pascal einen Mann finden, der nicht nnr zum Zeitvertreib vom Katheder
herunter zweifelt, sondern an dessen Zweifeln das eigene Herzblut klebt. Die
Pensoes sind die Geschichte seines eigenen inneren Lebens. Und wenn sein System
auch in manchen Punkten einer Korrektur bedürftig sein mag, wenn die von ihm
behandelten Probleme auch in unserer Zeit vielfach eine veränderte Gestalt an
genommen haben, so behalten seine Gedanken wegen ihrer geistvollen Feinheit,
ihrer schlagenden, in Antithesen sich bewegenden Form und der oft geradezu über
raschenden Klarheit, welche sie blitzartig über ein dunkles Gebiet verbreiten, doch
für die Apologetik aller Zeiten eine bleibende Bedeutung.
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Verein für Herbartische Pädagogik in Rheinland und
Westfalen.
Die 13. Hauptversammlung des Vereins, die am Samstag, den 25. Juli,
im „Deutschen Kaiser" zu Elberfeld abgehalten wurde, nahm einen erhebenden
Verlauf. Mehr als 200 Teilnehmer hatten sich eingefunden, unter ihnen auch

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