Ein Gesetzesvorschlag über das Kinderbewahrwesen in Ungarn. 67
aber bei solcher Ausführung, die weder die nationalen noch religiösen Eigenheiten
des Landes, noch die Gesetze der Pädagogik und Gerechtigkeit beachtet, zugemutet,
sich neue unerträgliche Lasten aufbürden zu lassen.
Das Gesetz kommt viel zu früh, abgesehen von seinen verfehlten Motiven.
Denn das Bemahranstaltswesen ist noch viel zu jung in Ungarn. Es bedarf noch
freier ungehemmter Entwicklung, höchstens wohlwollender Förderung seitens des
Staates, nicht aber der Einschnürung in die starren Formen dieses Gesetzes.
Darum sehen ihm nicht nur die pädagogischen, sondern alle nichtmagyarischeu
Volkskreise, voran die Sachsen Siebenbürgens mit Mißtrauen und Besorgnis ent
gegen. Daraus aber schließen zu wollen, die Nationalitäten wären dem Bewahr
anstaltswesen überhaupt abgeneigt, wäre wenigstens für die siebenbürgischen Deutschen
verfehlt. Diese haben an seiner Einbürgerung gearbeitet zu einer Zeit, da der
ungarische Staat in seiner dermaligen Gestalt nicht einmal bestand. Zeuge dafür
ist ein Schriftstück des Sachsen-Komes, des höchsten Sachsenbeamten, da sie noch
ihre von den Vätern ererbte munizipale Einheit besaßen, Franz von Salmen.
Im März 1849 schrieb er an das ev. Oberkonsistorium, die kirchliche Oberbehörde
der Sachsen, unter anderem:
„Die Wohlthat und der Segen einer vernünftigen und liebevollen häuslichen
Erziehung besonders in den ersten Jahren der Kindheit ist nicht nur nicht zu
verkennen, sondern wird auch in besseren und wohlhabenderen Familien wirklich
häufig erreicht. Bei dem unwidersprochenen Rechte der Beteiligung des Staates
an der Erziehung seiner künftigen Staatsbürger sind doch auch die heiligen, in
der Natur und im göttlichen Gesetze begründeten Rechte der Eltern auf ihre
Kinder unveräußerlich und eine bloß staatliche Erziehung der jungen Weltbürger
von den ersten Lebensjahren an, mit Ausschluß aller väterlichen Gewalt und
mütterlichen Liebe und jeden Einflusses des Familienlebens, würde einseitig und
von nachteiligen Folgen begleitet sein. Aber es giebt Kinder in großer Anzahl,
welchen das süße Glück und der hohe Segen eines ehrbaren und sittlichen Familien
lebens nie zu teil wird. Diesen Kindern kann nur in Kleinkinderbewahranstalten
ein Asyl eröffnet werden. Dieses Asyl müßte aber auch jenen Kindern offen
stehen, deren Eltern meist arme, aber ehrliche Gewerbsleute, durch ihre Berufs
geschäfte und Arbeiten, sei es in oder außerhalb der Wohnung, zu sehr in An
spruch genommen werden, so daß sie die Kleinen den ganzen Tag über ohne
Aufsicht sich selbst und ihren kindischen, oft gefährlichen Neigungen und Gelüsten
überlassen müssen. Auch die Verhältnisse unserer Landleute nehmen eine Aufsicht
über die kleinen Kinder derselben in Anspruch und machen sie nötig. Diese lieben
Kleinen, welche einst den Kern und die Kraft unseres Volksstammes bilden sollen,
wachsen die größere Hälfte des Jahres ohne Aufsicht, ohne Anleitung zu einer
zweckmäßigen Beschäftigung auf. Während die Eltern auf dem Felde ihres Be
rufes warten, bleiben jene daheim, sich selbst überlassen. Noch schlimmer ist es

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