68 II, Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
fast, wenn die Eltern aus Besorgnis, die Kleinen würden, sich selbst überlassen,
Schaden an ihrem Leibe nehmen, diese mit sich auf das Feld schleppen und die
zarte Gesundheit derselben den langen Tag über der Hitze, dem Regen, oft kalten,
schneidenden Winden aussetzen. Bei nicht wenigen wird hiedurch frühe schon der
Keim später sich entwickelnder Kränklichkeit oder selbst das Leben frühe zerstörender
Krankheiten gelegt. Auch ihnen thut das Asyl not. Aller Unterricht müßte
jedoch aus diesen Asylen der Kindheit verwiesen sein, da es nicht im Zwecke der
selben liegen kann, eine frühreise Ausbildung des Geistes auf Kosten der zarten
Körper zu begünstigen."
Im Sturm jener Zeit konnten diese warmen und verständnisvollen Worte
leider nicht in Thaten umgesetzt werden. In den letzten Jahrzehnten aber ist im
Schoße der evangelischen Landeskirche, die die 200 000 Sachsen Siebenbürgens
umfaßt, an der Verbreitung des Bewahrwesens rüstig gearbeitet worden. An die
30 Anstalten und Kindergärten zählt sie. In Hermannstadt und Kronstadt
werden zeitweilig Kurse zur Heranbildung von Leiterinnen abgehalten. 64 sind
bis jetzt ausgebildet worden.
O daß doch dieser schöne Anfang im Kinderbewahrwesen nicht Schaden
nehme durch dies Gesetz, das, wie allen nichtmagyarischen Nationalitäten, so be
sonders dem an Zahl geringen Sachsenvolke unnennbare Wunden in nationaler
und kirchlicher Hinsicht schlagen kann und auch den Magyaren selbst nicht zu
vollem Segen gereichen wird.
H. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
XII. Hauptversammlung des Vereins für Herbartische
Pädagogik in Rheinland und Westfalen.
Die XU. Hauptversammlung des Vereins, zu der sich etwa 120 Teilnehmer
eingefunden hatten, fand am Montag, den 29. Dezember 1890 im evangelischen
Vereinshause zu Barmen statt. Zur allgemeinen Freude der Versammelten war
am Nachmittage auch der ehrwürdige Nestor der bergischen Lehrerschaft, Herr
Rektor Dörpfeld in Ronsdorf, erschienen. Sein frisches, klärendes Wort zu
den gegenwärtig schwebenden Schulfragen gab den Verhandlungen eine besondere,
weittragende Bedeutung.
Die Verhandlungen begannen vormittags 9^2 Uhr. Der Vorsitzende, Herr
Rektor Horn, wies einleitend auf die günstigen Zeitumstände hin, die den päda
gogischen Verhandlungen gegenwärtig das Interesse der weitesten Kreise zuführten.
Es könne darin ein Anzeichen gesehen werden, daß es mit der Schule vorangehe.
Im Volke sei namentlich ein Bedürfnis nach einer gesteigerten, erziehlichen
Wirksamkeit der Schule vorhanden. Denn dem gegenwärtigen Kulturbestande
drohten die größten Gefahren von seiten der Sozialdemokratie, der Partei des

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