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H. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
allseitig die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit der gesellschastskundlichen Belehrungen
ausgesprochen. Eingegangen wurde ferner auf den Zweckbegriff des Geschichts
unterrichts, auf die Frage, warum die oben erwähnten Lebensformen als Kultur
potenzen anzusehen seien, auf die Behandlung der im Geschichtsunterrichte auf
tretenden religiös-ethischen Elemente, auf die Frage, ob der im Repetitorium an
gegebene Stoff ausreiche u. a. m. Der Borsitzende forderte schließlich auf, die
im Unterricht gesammelten praktischen Erfahrungen wie besonders auch ausgeführte
Lehrpräparationen aus diesem Unterrichtsgegenstande durch das Evang. Schulblatt
zu veröffentlichen.
Während der Nachmittagssitzung kam das Thema: „Die Rechte der Fa
milie an der Schule" zur Sprache, worüber Herr Honke (Elberfeld) einen
ausgedehnten Vortrag hielt. Die Hauptgedanken desselben waren etwa folgende:
Daß die Schulangelegenheiten, die Fragen der öffentlichen Erziehung im Volke
nicht das Interesse finden, das ihnen zukommen müßte, hat seinen Grund darin,
daß diese Dinge vom Staate und von der Kirche in erster Linie als Machtfragen
behandelt und darum nicht immer nach pädagogischen Erwägungen entschieden
werden. Es kann nicht wunder nehmen, daß bei diesem Stande der Sache auch
unter den Lehrern vielfach noch ganz unklare Gedanken über die Organisation
der Schulen herrschen. Welches ist denn der grundlegende Begriff für eine ge
sunde Gestaltung des Schullebens? Die rechte Heimstätte aller Erziehung ist die
Familie, von Gott selbst dazu bestimmt. In ihr liegen die Quellen aller
Sittlichkeit, Bildung und Wohlfahrt, die Angelpunkte alles gesellschaftlichen, staat
lichen und kirchlichen Lebens, wie denn auch aller Aufschwung und Verfall eines
Volkes von der Beschaffenheit seines Familienlebens abhängig ist. Daraus folgt
für die Schule, daß sie den Anschluß an die Familie suchen, daß sie in ihrer
inneren und äußeren Gestaltung dem Familienleben gemäß sein muß, und daß
sie keine fremden Zwecke verfolgen darf. Es folgt daraus für den Staat, daß
er weislich handelt, wenn er das Interesse, das die Familie der Schule entgegen
bringt, erhält, oder, wo es verschwunden ist, wieder zu beleben sucht. Es folgt
daraus für die Kirche, daß sie mit aller Kraft das Familienleben mit christlichem
Geiste zu erfüllen trachten soll.
Nach dem Zeugnisse der Geschichte geschah die Gründung von Schulen
zunächst nur durch die Kirche, hernach auch durch die städtischen Gemeinwesen,
viel später erst durch den Staat, der dann endlich alle Schulen kurzweg als
Staatsanstalten erklärte, womit er den Gemeinden und Patronen die Rechte an
den Schulen nahm. Die Schulen sind durch die Bedürfnisse der Kirche und des
Erwerbslebens entstanden. Sie haben sich in den einzelnen Landesteilen den Ver
hältnissen entsprechend verschieden gestaltet. So lange sie den Kirchen und Ge
meinden gehörten, gab es Stiftungen und Schenkungen, wodurch die Schul
bedürfnisse befriedigt und das Interesse für die Schulen bekundet wurde. Damit
hängt zusammen, daß hinsichtlich der Lehrziele eine große Mannigfaltigkeit herrschte.
Versäumt wurde aber, die Eltern in den Schulsachen mündig zu machen. Bei
einer Umgestaltung des Schulwesens müssen diese historischen Verhältnisse berück
sichtigt werden.
Unter dem Einfluß der Lehren, die durch Hegel und Stahl hinsichtlich
des Staates ausgesprochen wurden, kam mehr und mehr die Ansicht auf, daß die
Staatsgewalt allein das Recht habe, das ganze Unterrichtswesen zu leiten. Die

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