184 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc.
Zögling selber thun kann, so wüßte ich den Grund nicht, warum diese Regel
für die Socialerziehung nicht dieselbe volle Geltung haben sollte.
„Weiß darum der Staat. — so schließen wir mit den Worten Herbarts —
wie sehr er der Schule bedarf, so wird er sich hüten, ihre innere Thätigkeit zu
stören, wenn er gleich ihr äußerliches Benehmen unter beständiger Aufsicht hält."*)
H Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schnl-
und Lehrerleben.
Leseabende für Schüler.
In dem neusten beachtenswerten Heft der Mitteilungen aus dem
pädag. Universitäts-Seminar in Jena^) finden sich (S. 28 ff.) fol
gende Bemerkungen über Leseabende für Schüler, die für weitere Kreise von
Interesse sein dürften. „Mit den Schülern des achten Schuljahres wurden
im Winterhalbjahr Leseabende abgehalten. Jeden Sonntag nachmittag ver
sammelte der Klassenlehrer die kleine Gesellschaft um sich. Die Teilnahme war
freigestellt; doch fehlte nur ganz selten einer der Schüler. Nach gründlicher Vor
bereitung, unter Hinweis auf die Beziehungen zum Unterrichte — soweit sich
solche ungesucht ergaben — wurde Schillers Tell und Körners Zriny ge
lesen. Anfangs machte die neue Form Schwierigkeiten. Die Vorbereitung, zahl
reiche Karten und Bilder, das langsame Vorgehen zu Anfang, vor allem aber
das lebhafte Interesse der Schüler halfen bald über die Schwierigkeiten hinweg.
Die Folgen dieser neuen Lebenserscheinung innerhalb unserer Schulgemeinde waren
höchst befriedigend. Neben der Erweiterung und Bereicherung des Gedankenkreises
der nun bald ins Leben tretenden Knaben schätzen wir vor allem den günstigen
Einfluß, den solche Leseabende auf die langsam reifenden jugendlichen Gemüter
ausübten. Zunächst liegt zweifellos darin schon ein bedeutender Gewinn, daß die
Knaben durch freiwilligen Entschluß ungefähr zwei Stunden ihres Sonntag
nachmittags einer Beschäftigung widmen, welche sie von der Straße mit dem
lärmenden Treiben oder aus der eigenen Stube mit der nicht kontrollierbaren
Arbeit in die Gemeinschaft ihrer Kameraden und ihrer Lehrer führt, um hier in
freier Weise sich mit Gedanken zu befassen, welche die edelsten Männer ihrer
Nation zu begeistertem Schaffen veranlaßt haben. Noch wichtiger und interessanter
') Über das Verhältnis der Schule zum Leben. Willmann, Herbarts pädag.
Schriften II, 62
2 ) Ausdem pädagogischen Universitäts-Seminar zu Jena. Viertes
Heft, herausgegeben von Prof. vr. W. Rein (Langensalza, Beyer u. Söhne 1892).
Preis 2,40 M. Das wertvolle Heft hat folgenden Inhalt: Vorwort von Prof. Rein.
l. Bericht über die Thätigkeit des Seminars von E. Scholz: 2. über Zweck, Auswahl
und Gestaltung der Schulfeiern von C. Schubert: 3. über den rückläufigen Ge
schichtsunterricht von G. Lämmerhirt: 4. Beiträge zum Märchenunterricht von H.
Land mann; 5. Bedeutet die Heimatkunde des Hauptmann Rolf einen didaktischen
Fortschritt? von Scholz. — Beigaben.

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