Über die gewerblichen Nebenbeschäftigungen der Schulkinder. 185
war uns aber, daß aus der Mitte der Schüler bald der Wunsch geäußert wurde,
doch bei ihnen zu Hause auch zu lesen. So bildete sich bald eine wandernde
Lescschule heraus. Mit besonderer Sorgfalt bereiteten die Eltern des betreffenden
Gastgebers die oft ärmliche Stube — die Kinder gehören ärmeren Familien an —
zum Empfange. Dann aber nahmen auch sie mit sichtlicher Freude teil an diesem
neuen Sonntagsvergnügen ihrer Kleinen. In Einzelfällen las wohl der Vater
oder ein Bruder oder die Schwester mit. Auch ereignete es sich zur großen Be
friedigung des leitenden Lehrers, daß halbwüchsige Jünglinge, die sich bei einem
älteren Bruder eines Schülers zu dem unvermeidlichen Sonntags-Skat versammelt
hatten, die Karten ruhig beiseite legten und — nicht fortgingen, sondern die
ganze Zeit hindurch dem Lesen der jüngeren Generation lauschten und zum Schluffe
in den Gesang derselben mit Vergnügen einstimmten. Daß sich dann in vielen
Fällen während des letzten Teiles der Lesestunden dem Lehrer willkommene Ge
legenheit bot, mit den gesprächig gewordenen Eltern über manche Einrichtung der
Schule, über den zukünftigen Beruf der Kinder und über anderes zu sprechen,
sei nur nebenbei bemerkt. In der letzten Zusammenkunft äußerten die Schüler
ganz unvermittelt das Verlangen, auch noch nach dem Austritte aus der Schule
in derselben Weise zusammen zu kommen. Von seiten der Schule wird diese
Regung selbstverständlich unterstützt, soweit es nur angeht. Zeit und Mühe er
fordert die Sache, auch wäre zu überlegen, wie sich das Ganze mit einer größeren
Anzahl von Schülern gestalten würde. Aber anbahnen sollte die Schule min
destens ähnliche Veranstaltungen, denn uns wenigstens hat dieser erste Versuch
gelehrt, daß hier viel Gutes zu stiften ist: für den austretenden Schüler, für
die dem Schulalter entwachsene Jugend, für ein gesundes Verhältnis zwischen
Familie und Schule. Die Kosten sind gering, da die Hefte der Reklamschen
Universal-Bibliothek genügen. In unserem Seminar hat die neue Einrichtung
noch den Wert, daß auch Praktikanten dieselbe durch eigene Teilnahme kennen
lernen. Einer derselben lud die Schüler einige Male zu sich und gewiß sind
beide Teile dadurch in fördernder Weise angeregt worden." Grosse.
Über die gewerblichen Nebenbeschäftigungen der
Schulkinder.
In den Leipziger Volksschulen ist int Aufträge des Rats der Stadt Leipzig
eine Erhebung über die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflich
tiger Schulkinder angestellt worden, die Beachtung verdient. Nachdem eine
Kommission die erforderlichen Erhebungen vorgenommen und das Material ge
sammelt hatte, erstatteten die Direktoren über die gemachten Wahrnehmungen der
Schulbehörde folgenden Bericht, der in den „Blättern für sociale Praxis" (heraus
gegeben von vr. Brückner, Frankfurt a. M.) zum Abdruck gelangt ist.
„Sehr viele Volksschulen, insbesondere sämtliche Bezirksschulen, enthalten
Kinder, welche vor und nach den Schulstunden zu mancherlei Beschäftigungen und
Arbeiten benutzt werden, so zum Senimeltragen, Milchtragen, Zeitungstragen,
Kegelaufsetzen, Musikmachen, Mitwirken am Theater, als Laufburschen, in Auf
wartung, zum Zettelkleben auf der Post, zum Flaschenspülen, als Blindenführer,

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