Dörpfeld und die religiösen Klassiker.
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Bengel in seinem Gnomon mit dir hin, aber nicht um einen Vortrag über die
Bilder zu halten, sondern um dir die Bilder selbst zu zeigen.
Wer das versteht, der wird von dem unterrichtlichen Wert der Katechismen
bescheiden denken lernen. Es handelt sich nicht sowohl darum, die christliche
Wahrheit in eine möglichst feste Form zu gießen und in dieser ihrer Erstarrung
in das jugendliche Seelenleben hineinzubauen, sondern vielmehr darum, daß der
junge Christ die Thatsache der Gottesoffenbarung in Christo selbst anschauen und
selbst erkennen lernt, damit er seiner Fassungskraft und dem Stande seines Innen
lebens entsprechend selbst sich aussprechen lerne über das, was er geschaut. Der
Katechismus kann nicht mehr thun, als die Richtlinien für solche Aussprache an
geben, indem er zeigt, wie die Kirche ihr Verständnis von den göttlichen Thaten
ausgesprochen hat. Das geistige Sichemporranken an den klassischen Zeugen der
Thatoffenbarung Gottes ist das gegebene Mittel religiöser Bildung, und der
Unterricht hat keine höhere Aufgabe, als dieses Sichversenken in die religiösen
Klassiker einzuleiten und zu fördern.
5. Behandlung der biblischen Geschichte.
Mit solcher Einsicht in das Wesen religiöser Unterweisung ist auch eine
andere Behandlung der biblischen Geschichte als die sonst übliche gegeben. Der
Religionsunterricht muß mehr als Sache der Persönlichkeit gehandhabt
werden. Hier liegt die Bedeutung von Dörpfelds energischem Auftreten für das
freie Wort im Religionsunterricht, für das freie Lehrgespräch. Dörpfeld pro
testiert gegen das knechtische Gebundensein an den Buchstaben, gegen das wörtliche
Einprägen der Geschichten wohl auch um der Würde der Lehrerpersönlichkeit
willen, um den Lehrberuf nicht von einer freien Kunst zu einem Handwerk oder
„Speditionsgeschäft" herabsinken zu lassen, sowie um der Freiheit des Christen
menschen willen, die sich aus dem Evangelium kein Gesetz machen lassen darf;
aber noch viel mehr um des göttlichen Wortes selbst willen. „Die biblischen
Schriftsteller" sind „religiöse Klassiker, berufene Diener des göttlichen Wortes;"
„alle Männer Gottes haben zunächst frei mündlich gelehrt und dann erst auch
wohl ihr Zeugnis schriftlich niedergelegt. Dadurch wird gewiesen, was auch die
Erfahrung überall bestätigt: wo es gilt, göttliche Wahrheit in Herz und Gewissen
zu pflanzen, da gebührt dem freien, mündlichen Worte das erste Recht und die
erste Stelle. Erstlich dem mündlichen Worte gegenüber dem geschriebenen.
Warum? weil Gottes Wort aus der persönlichen Erfahrung und Überzeugung
heraus bezeugt, nicht aber als ein bloßes objektives Wissen
dotiert sein will" (II, S. 88). Der Lehrer muß also sein eigenes
Zeugnis von den Thaten Gottes ablegen, also auch mit eigenen Worten, er muß
„aus dem Vollen der Persönlichen Anschauung heraus frei erzählen können'/)
l ) „Frei sein heißt mir: in der Sache stehen und frei erzählen heißt
dann: die biblischen Thatsachen aus der eigenen Anschauung heraus darstellen, die bib
lischen Wahrheiten mit lebendigem Zeugnis verkündigen" (I, S. t36).

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