Schulgedenkfeier zu Kaiser Wilhelms l. Geburtstag.
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Ganze eine naheliegende Anwendung des Gelernten auf einen weltgeschichtlichen
Stoff, ist also ein Stück Konzentration und gehört mit zu dem, wodurch „das
religiöse Gefühl und der Funke christlichen Geistes in der Schule gepflegt und
gemehrt werde" (Wilhelm II.). In den mehrklassigen Volksschulen feiert zu
meist jede Klasse für sich, wodurch die Feier sich mehr dem Standpunkte der
Kinder anbequemen kann und muß, ein Vorteil, den die Gemeinsamkeit der Feier
in höheren Schulen trotz ihres imposanten Eindrucks unseres Erachtens nicht aufwiegt.
Der Gang des Vortrags ist versuchsweise nach den Formalstufen geordnet
worden, daher der vergleichende Hinweis auf David u. a. Naheliegende, den
Kindern geläufige Stoffe zur Vergleichung sind die besten. Unseres Wissens
wird hier zum ersten Male versucht, das Prinzip der Formalstufen auf einen
akroamatischen Lehrvortrag anzuwenden, und es ließe sich das Längere und Brei
tere über die Berechtigung eines solchen Verfahrens sagen. Wenn man gewohnt
ist. im Unterricht durch lebhaftes Fragen und Antworten einen Stoff zum Ver
ständnis zu bringen und den Schülern zur Pflege der Selbstthätigkeit stets auf
der Ferse zu bleiben, so wird man rechte Ursache haben, bei Schulfeierlichkeiten
im zusammenhängenden, den Kindern so ungewohnten Vortrage recht einfach, vor
sichtig und womöglich so zu verfahren, daß der Stoff vor dem Geiste der Schüler
entwickelt werde, so daß das eine Stück aus dem andern folgt; in dem Falle
kommt es also nicht auf die Frageform an, sondern auf die Bildung logischer
Schlußreihen. Dieser Gedanke, den Diesterweg in einem Vortrage über die
Lehrmethode Schleiermachers ausführt (Rheinische Bl., 1834, 2. Heft),
hat uns mit veranlaßt, der Arbeit die gedachte Form zu geben. Gäbe man
bei einer solchen Feier den Kindern nur das Zuckerbrot einer geschichtlichen Er
zählung, so würde ihr Vergnügen unstreitig nicht gering sein, ob aber der Gewinn
dabei größer uud nachhaltiger sein würde, als bei der mühsameren Mitdurch
arbeitung eines einfachen einheitlichen, leitenden Gedankens, dürfte fraglich er
scheinen. Doch bleibt es dabei: Der Vortrag sei möglichst einfach und konkret,
und man hüte sich, ihm eine Sache schlankweg zu übertragen, die sich besser für
die dialogische Unterrichtsweise eignen würde. Es hat uns allemal eigentümlich
berührt, wenn ein Lehrer, der sonst den Unterricht entwickelnd, mit Hülfe von
guten Fragen und wohlabgemessenen Lesestücken erteilt, bei einer Schulfeier einen
langen, gelehrten Vortrag, oft in systematischer Abfolge, „liest".
Der Zusammenhang mit dem Unterrichtsmaterial ist auch bei dieser Feier
gewahrt worden, insofern bildet das Dargebotene zunächst eine Wiederholung (denn
das Lebensbild Kaiser Wilhelms I. war bereits vor den Kindern nach mehreren
Seiten hin behandelt worden); das den Kindern Neue in der Darbietung ist
eine Erweiterung und Ergänzung des betr. Stoffes und — als wichtigstes
Stück — der Umstand, daß das Ganze in ein neues Licht gerückt wird: das
bereits in der Religionsstunde behandelte begriffliche Material wird hier von
neuem angewandt und fundiert. Dabei darf es aber nicht sein Bewenden haben,
die Feier muß vielmehr später neue Anknüpfungsmaßnahmen erfahren (Vergl.
die Vorbemerkung der Schulgedenkfeier zu Kaiser Friedrichs Geburtstag im Ev.
Schulblatt 1893, 10. Heft.)
Heute ist der 22. März. Viele von euch wissen, daß in früheren Jahren
an diesem Tage der Geburtstag Kaiser Wilhelms I. gefeiert wurde. Auch heute
wollen wir seiner nicht vergessen. Wir wollen singen:

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