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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens :c.
„Ist Gott für mich, so trete" rc., Strophe 1 und 2.*)
Ansprache (Ein kurzes Wort über Kaiser Wilhelms Gott
vertrauen und Demut).
Von Kaiser Wilhelm I., dem Siegreichen, der heute vor . . . Jahren ge
boren wurde, habt ihr schon oft gehört. Noch vor 12 Tagen ist euch von
dieser Stelle aus von seinem Tode erzählt worden. Vielen von euch ist es nicht
unbekannt, daß er nach neun heitern Jugendjahren mit seinen Eltern vor den
Franzosen fliehen mußte, deren übermütiger Kaiser Napoleon Preußen knechtete
und bis zur Hälfte verkleinerte. Kaiser Wilhelms Mutter, die edle Königin
Luise, starb vor Gram, nicht ohne ihre Söhne darauf hingewiesen zu haben, daß
Gott das gedemütigte Land wieder mächtig und stark machen könne. Ihr wißt,
wie der Übermut Napoleons gebrochen wurde — „Bis hierher und nicht weiter,
hier sollen sich legen deine stolzen Wellen" — wie der junge mutige Prinz mit
zog in den heiligen Krieg und Preußen wieder frei wurde; es ist nicht wenigen
von euch bekannt, wie Wilhelm als König von Preußen für ein starkes Heer
sorgte, wie er von Sieg zu Sieg schritt, ivie unter ihm die uneinigen Deutschen
wieder Brüder wurden; wie er, mit der Kaiserkrone geschmückt und geehrt, das
große, mächtige Deutsche Reich weise regiert hat, wie er von klein und groß ge
liebt und geehrt wurde — alles dessen erinnert ihr euch. Wir fragen: Wodurch
hat er seine Feinde bezwungen und Deutschland mächtig und geachtet gemacht?
Was hat ihn so groß und stark gemacht, so geliebt, so glücklich und von Gott
gesegnet in seinen Handlungen? Sein Fleiß, seine Pünktlichkeit, sein Mut, seine
Klugheit, seine Leutseligkeit und Freundlichkeit, seine Geschicklichkeit, kluge und
eifrige Männer zu seinen Räten zu machen? Ja, alles das, aber eines ist
wohl das Köstlichste und Wichtigste, eins hat ihn vorwiegend so siegreich und
mächtig gemacht, eins, das alle menschliche Klugheit übertrifft. Was ist dieses
eine? Die Antwort wird aus folgenden wenigen Zügen aus dem Leben des
großen Kaisers hervorgehen.
König Friedrich Wilhelm III., der Vater Kaiser Wilhelms, hatte 1806
den Franzosen den Krieg erklärt. An der Spitze seiner Armee, begleitet von
der Königin, zog er dem Feinde entgegen. Die Kinder blieben in Berlin zurück.
Noch funkelten vor Prinz Wilhelms Augen die blanken Waffen und prächtigen
Uniformen der Soldaten, noch glaubte er fest, das stattliche Heer könne nicht
überwunden werden, da durchzuckte schon eine Menge schlimmer Nachrichten das
erschreckende Berlin. Am 14. Oktober wurde das schlecht geführte preußische Heer
bei Jena und Auerstädt gänzlich geschlagen; die Truppen flohen, vom Schreck ge
jagt, und bald erscholl das Angstgeschrei: „Napoleon steht vor Berlin!" Tage
lang wußten die königlichen Kinder nicht, wie es um ihre Eltern stand. „Fort,
fort von Berlin!" hieß es, und die Kinder bestiegen mit ihrem Lehrer Delbrück
eilends den Reisewagen und flohen ostwärts. Da begann für sie die hohe Schule
der Leiden, in der uns Gott das lehrt, was in den Tagen der glücklichen Kind
heit nicht zu lernen ist. Die Königin Luise hatte nach dem Willen des Königs
schon vor der unglücklichen Schlacht das Heer verlassen. Erst nach vier Tagen
erfuhr sie die Niederlage. Spät abends kam sie in Berlin an. Man sagte ihr,
die Kinder seien geflohen. Die Nacht durchweinte sie. Morgens früh fuhr sie
*) Sind diese Strophen den Kindern unbekannt, so empfiehlt es sich. sie durch
passende bekannte zu ersetzen.

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