Schulgedenkfeier zu Kaiser Wilhelms I. Geburtstag.
119
ihren Kindern nach. Diese hatten im königlichen Schlosse zu Schwedt a. d. Oder
eine vorläufige Unterkunft gefunden und erwarteten dort ihre Mutter. Sehn
suchtsvoll schauten sie durch das Schloßfenster. Endlich rollte der königliche
Wagen heran. Die Kinder eilten die Treppen hinunter, der Mutter entgegen
an den Eingang des Schlosses. Da stand sie, die Gebeugte, in der Mitte der
beiden Prinzen, drückte sie a n sich und sagte weinend: „Ihr seht mich in
Thränen. Ich beweine den Untergang der Armee" (Nach Hahn).
Was wars, was Prinz Wilhelm aus dem Unglück lernen mußte? „Der
Mensch denkt, Gott lenkt." „Gott sitzt im Regimente."
Der große Befreiungskampf entbrannte. Napoleon mußte vor dem todes-
verachtenden Ansturm der mit Gott, für König und Vaterland kämpfenden
Männer weichen. Der stolze Mann verlor alles, sogar seine Freiheit. Auf der
im fernen Weltmeer einsam liegenden Insel St. Helena verbrachte er murrend
und jedem Troste unzugänglich sein Leben. Schon nach fünf Jahren starb er.
Was war's, was Wilhelm an ihm zur Wahrheit werden sah? „Wer
stolz ist, den kann Gott demütigen." „Du stößest die Gewaltigen
vom Stuhl."
Am 8. Juni 1815 wurde Prinz Wilhelm konfirmiert. Er war also 18
Jahre alt. Zu dem Bekenntnisse, welches er dabei ablegte, finden sich folgende
Worte:
„Mein Fürstenstand soll mich nicht verhindern, demütig zu sein vor
meinem Gott."
„Bei allem Guten, welches mir zu teil wird, will ich dankbar auf Gott
blicken, und bei allen Übeln, die mich treffen, will ich mich Gott unterwerfen,
fest überzeugt, daß er überall mein Bestes beabsichtige."
„Auf Gott will ich unerschütterlich vertrauen, ihm alles
anheimstellen und mir im Glauben an seine Vorsehung meinen getrosten Mut zu
erhalten suchen "
„Meines Gottes will ich überall gedenken, an ihn will ich in allen An
gelegenheiten mich wenden. — Ich weiß, daß ich ohne ihn nichts bin und nichts
vermag."
Ob er diesem herrlichen Bekenntnisse auch treu geblieben ist? Wir wer
den sehen.
1848 brach in Berlin (wie in vielen andern Orten) ein Aufstand aus.
Das Volk wurde von den Truppen bekämpft. Es schrieb dem Prinzen Wilhelm
einen großen Teil der Schuld des Blutvergießens zu und wollte sich an ihm
rächen. Er entfernte sich aber von Berlin und ging nach London. Dort, in
einer stillen Kirche, strich er sich eine Kirchenliederstrophe in seinem Gesangbuche
an. Diese Strophe lautet:
„Da siehst du Gottes Herz,
Das kann dir nichts versagen:
Sein Mund, sein teures Wort
Vertreibt ja alles Zagen.
Was dir unmöglich dünkt,
Kann seine Vaterhand
Noch geben, die von dir
Schon so viel Not gewandt."
Wir sehen, woran er sich hält: ,, D e r H e r r i st m e i n S ch i r m und
Schild, vor weni sollte mir grauen?

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.