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I. Abteilung. Abhandlungen.
und er soll den Schüler anleiten, ebenfalls sein eigenes Verständnis von dem
Angeschauten in Worten wiederzugeben. Die biblische Erzählung muß „in leben
digem Wort und gleichsam neuer, verjüngter Gestalt" auftreten (II,
S. 97 vgl. I, S. 110).
So vertieft Dörpfeld die allgemein anerkannte Forderung, die biblische
Geschichte ,anschaulich und erbaulich* zu behandeln; denn anschaulich kann
nur der berichten, der selbst etwas mit eigenen Augen geschaut hat, also auch
selbständig darzustellen vermag und erbaulich nur der, der selbst sich erbaut
hat und selbst mit Bewußtsein weiterbaut an dem Bau, den die Apostel auf dem
einigen Grunde mit Gold, Silber und Edelsteinen aufgeführt haben (1. Kor. 3,
9-13).
Aus dem innersten Wesen der christlichen Religion heraus, sagten wir zu
Anfang, hat Dörpfeld die Aufgabe und die entsprechende Behandlung des Religions
unterrichts erfaßt und abgeleitet. Den Beweis dafür glauben wir in dem An
geführten geliefert zu haben. Das war in allem der Leitgedanke dieses ebenso
religiös wie pädagogisch tief gegründeten Schulmannes, daß die christliche Religion
nicht Wissens- sondern Gewissenssache sei, nicht Lehre, sondern persönliches Leben.
Die Persönlichkeiten der religiösen Klassiker mit ihren Zeugnissen sind die Quelle
und Norm der Unterweisung, religiöse Persönlichkeiten die Träger und Vermittler
solcher Unterweisung zur Seligkeit, religiöse Persönlichkeiten sind dann auch das
Ziel und die Frucht einer solchen. Ja, einem so echt christlichen, schristgemäßen,
lebensvoll behandelten Religionsunterricht kann der Segen Gottes, der Erfolg
nicht fehlen. Zum mindesten nicht der Erfolg, den man sich von der Beschäf
tigung nicht stumpfsinniger Gemüter mit den weltlichen Klassikern mit Recht ver
spricht: daß sie die jugendliche Begeisterung, den Sinn und Geschmack für das
Hohe, Edle und Sittlich-Schöne, den echten Idealismus erweckt und nährt. Und
wer wollte solchen Erfolg gerade für den Religionsunterricht gering anschlagen?
Denn „daran daß dieses erreicht wird (nämlich den Kindern die biblischen Ge
schichten „lieb und wert" zu machen), an der Freude der Kinder an der Sache
hat der Lehrer als an dem sichersten Merkmal zu erkennen, ob seine Behandlung
der Sache eine angemessene gewesen ist" (I, S. 213 vgl. S. 83 f.). So wird
ihnen die „Schulzeit zum Frühling des Lebens und zur Saatzeit der Ewigkeit."
6. verdienst nnd Wirkung der Dörpfeldschen Ueformgedanken.
Mit dieser Besprechung sind die in dem dritten Bande aufgespeicherten
Gedankenschätze keineswegs schon gehoben. Hoffentlich hat sie jedem Leser Lust
gemacht, selbst nach diesem Buch zu greifen, um sowohl die oben skizzierten Grund
sätze ausgeführt zu sinden wie auch den von anderen Gesichtspunkten beherrschten
Gedankenreihen des Verfassers nachzugehen; denn Dörpfeld war ja nicht so ein
seitig oder so versessen auf eine bestimmt zugespitzte Idee wie die der ,religiösen

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