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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
186! wurde Wilhelm König von Preußen. Da sagte er: „Möge es mir
unter Gottes gnädigem Beistand gelingen, Preußen zu neuen Ehren zu
führen." „Darum habe ich von Gott die Krone empfangen, sie von Gottes
Tisch genommen und sie auf mein Haupt gesetzt, auf daß ich in Demut sie trage,
weil er sie mir verliehen hat."
Rasch aufeinander folgten nun die Kriege, in welchen Preußens Heer von
Sieg zu Sieg eilte. Wie hat König Wilhelm sie begonnen? Er
verordnete allgemeine Landes-Buß- und Bettage; das Volk, er an der Spitze,
demütigte sich vor dem Herrn der Heerscharen. 1866 sagte der König zum
Prinzen Friedrich Karl: „Gottlob, das Heer ist in sehr gutem Stande, aber ob
wir siegen, das liegt in des Herrn Hand. Wenn der Herr nicht hilft, so ists
doch vergeblich. Wir wollen auch nicht übermütig sein, wenn uns der Herr
den Sieg giebt."
1870 sagte er: „Ich weiß, was ich von meiner Armee erwarten darf. Das
Instrument (nämlich die Armee) ist scharf und schneidig. Der Erfolg steht
bei Gott. Von Jugend auf habe ich vertrauen gelernt, daß an Gottes gnä
diger Hülfe alles gelegen ist. Auf ihn hoffe ich, und ich fordere mein Volk zu
gleichem Vertrauen auf."
Wie hat König Wilhelm die Kriege geführt, wie hat er die
Siege hingenommen? Das sehen wir deutlich aus seinen Depeschen und
Briefen, die er vom Kriegsschauplätze aus nach Hause schickte. Das Telegramm
nach dem großen Sieg bei Königgrätz am 3. Juli 1866, so kurz es abgefaßt
ist, hat doch noch Raum für die Worte: „Ich preise Gott für seine Gnade."
Ganz ähnlich lauten die Worte in den Siegestelegrammen von 1870 und 1871.
Nach dem Sieg bei Weißenburg: „Gott sei gepriesen für diese erste glorreiche
Waffenthat! Er helfe weiter!" Nach der Schlacht bei Wörth: „Preise Gott
für seine Gnade!" Am Schlüsse eines Briefes an die Königin Augusta vom
Schlachtfelde bei Gravelotte: „Ich danke Gott, daß er uns den Sieg verlieh."
Nach der Schlacht bei Sedan und der Gefangennahme des Kaisers Napoleon III.:
„Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! Er helfe weiter!" In einem Briefe
nach demselben Ereignisse an seine Gemahlin: „Wenn ich mir denke, daß nach
einem großen glücklichen Kriege ich während meiner Regierung nichts Ruhmreicheres
mehr erwarten konnte und ich nun diesen weltgeschichtlichen Akt erfolgen sehe, so
beuge ich mich vor Gott, der allein mich, mein Heer und meine Mit
verbündeten ausersehen hat, das Geschehene zu vollbringen und uns zu Werk
zeugen seines Willens bestellt hat. Nur in diesem Sinne vermag ich das Werk
aufzufassen und in Demut Gottes Führung und seine Gnade zu preisen!" Nach
der Übergabe von Metz und der Gefangennahme der großen Bazaineschen Armee:
„Dank der Vorsehung!" Nach der Einnahme von Orleans durch die Armee des
Prinzen Friedrich Karl: „Orleans ist in dieser Nacht besetzt worden, also ohne
Sturm. Gott sei gedankt!" Nach der Bezwingung von Paris: „Ich danke
Gott für diese neue Gnade; möge der Friede bald folgen." Nach dem Frie
densschlüsse: „Der Herr der Heerscharen hat überall unsere Unternehmungen
sichtlich gesegnet und daher diesen ehrenvollen Frieden in seiner Gnade gelingen
lassen. Ihm sei die Ehre!" Nachdem er Kaiser des geeinten deutschen Vater
landes geworden war: „Uns aber und unsern Nachfolgern an der Kaiserkrone
wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des deutschen Reichs zu sein, nicht an
kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens."

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