Schulgedenkfeier zu Kaiser Wilhelms I. Geburtstag.
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Sollen wir nun noch sehen, wie er nach solch siegreichen Kriegen sich vor
Gott gebeugt hat, wie er ihm Dank geopfert und seine Gelübde erfüllt hat?
Sollen wir erzählen, wie er bis zu seinem Tode denselben Gesinnungen treu
geblieben ist, treu geblieben bis zu seinem Bekenntnis auf dem Sterbebette: „Er
hat mir mit seinem Namen geholfen?" treu geblieben bis zu dem Worte: „Es
war schön," das er zur Antwort gab auf die ihm vom Prediger vorgehaltene
Bibelstelle: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich
fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?" Es
sei genug. Jetzt können wir die Antwort geben auf unsere eingangs gestellte
Frage: Was hat Kaiser Wilhelm so groß und stark gemacht, so geliebt, so glück
lich und von Gott gesegnet in seinen Handlungen? Fleiß und Pünktlichkeit, Mut
und Klugheit, Leutseligkeit und Freundlichkeit — ja, alles das, aber vor allen
Dingen seine Demut und sein Gottvertrauen.
Er ist nicht der einzige Fürst, von dem ihr Züge des Gottvertrauens und
der Demut kennt. Denkt an König David, der dem Übermut Goliaths mit den
Worten begegnete: „Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Schild, ich
aber komme zu dir im Namen des Herrn Zebaoth." Denkt an Gustav Adolf
von Schweden, der in keine Schlacht ging, ohne vorher seine Kniee vor Gott ge
beugt zu haben. Denkt an den alten Fritz bei Leuthen. Seine Soldaten sangen:
„Gieb, daß ich thu' mit Fleiß,
Was mir zu thun gebühret.
Wozu mich dein Befehl
In meinem Stande führet.
Gieb, daß ich's thue bald,
Zu der Zeit, wann ich's soll,
Und wenn ich's thu', so gieb,
Daß es gerate wohl!"
Und der alte Fritz sagte dazu: „Mit solchen Soldaten wird mir Gott den Sieg
verleihen." Denken wir an den kernigen, derben alten Dessauer, der vor der
Schlacht bei Kesselsdorf betete: „Lieber Gott, stehe mir heute gnädig bei; oder
willst du nicht, so hilf wenigstens den Schurken, den Feinden, nicht, sondern siehe
zu, wie es kommt."
Wir erkennen die Wahrheit des Bibelwortes: „Gott widerstehet den
Hoffärtigen, aber den Demütigen giebt er Gnade." Ein anderes
Wort sagt: „Lasset uns unsere Herzen zu Gott erheben und unsere
Fäuste auf den Feind." (Vgl. 2. Makk. 15, 26. 27.) Und: „Der
Name des Herrn ist ein festes Schloß; der Ger-echte läuft
dahin und wird beschirmt." (Spr. 18, 10.)
So ist uns denn Kaiser Wilhelm ein rechtes Vorbild, auch so bescheiden
und demütig zu sein, auch in allen Gefahren und Nöten auf Gott zu vertrauen.
Dann wird unsere Arbeit in Haus und Schule wohlgelingen; dann wird der
22. März das für uns sein, was er sein soll, eine freudige, dankbare Anerkennung
der großen Thaten Kaiser Wilhelms und eine Mahnung an uns selbst, seinem
Beispiel für unser geringes Teil, in unserm so viel engeren und einfacheren Leben
nachzueifern. „Mit Gott wollen wir Thaten thun!"
Schriftverlesung: Höret den 20. Psalm. (Auswahl von Versen.)
Gebet: Lieber himmlischer Vater! Wir danken dir, daß du uns vergönnt
hast, am heutigen Tage eines Mannes gedenken zu können, durch dessen Hand du
in Gnaden unser Volk und Vaterland so reich gesegnet hast, eines Mannes, der
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