122 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens.
i» so lebendigem und dankbarem Andenken bei uns steht. Er war ein Ge
waltiger auf Erden, aber er hat nicht vergessen, sich stets vor dir zu demütigen
und zu dir als dem König aller Könige aufzuschauen. Seine Hoffnung auf dich
ist nicht zu schänden geworden, und sein Gottvertrauen hat ihn groß gemacht.
Wir bitten dich, du wollest auch unserm jetzigen Kaiser, deinem Knechte, in Gna
den beistehen, daß er in deiner Kraft seine Pflichten erfülle und deiner Hülfe gewiß sei.
Wir bitten dich, du wollest auch uns rechte Demut schenken, daß wir unsere
Pflichten nicht aus eigner Kraft zu erfüllen meinen, sondern zu dir in Treue
und Dankbarkeit aufblicken, wie es Kaiser Wilhelm gethan hat.
Dazu hilf uns, lieber himmlischer Vater, durch Jesum Christum, unsern
Herrn. Amen.
Choral: Auf Gott und nicht auf meinen Rat rc., Str. 1 u. 2. (Oder:
Was Gott thut, das ist wohlgethan rc.) Th. Hermann.
Die Hilfe.
Es ist in letzter Zeit soviel von des bekannten christlichen Socialpolitikers
Pfarrer Naumanns neuer Zeitschrift „Die Hilfe" die Rede gewesen, und zwar meist
in sehr abfälliger oder mindestens bedenklicher Weise, daß wir die Leser einladen
möchten, selbst ein Vierteljahr es mit diesem allerdings sehr charaktervollen und
social weitgehenden Blatt zu versuchen. Wer Naumann kennt, wird eine Em
pfehlung nicht nötig haben; wer ihn noch nicht kennt, wird sich freuen, eine
neue interessante und lehrreiche Bekanntschaft zu machen. Ein Pröbchen von dem
„Die Hilfe" beseelenden Geist geben wir mit folgendem Stück aus Nr. 6.
Tn Tesn Schule.
Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig
und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe
finden für eure Seelen. Math, u, 29.
Wissen ist Macht. So hört man in unsern Tagen oft sagen. Und dieses
Wort hat unstreitig seine Berechtigung. Die Fragen, welche unsere Zeit bewegen,
und die Lebensverhältnisse sind so verwickelt, daß nur ein Mensch mit ausgebil
detem Wissen den Anspruch machen kann, sie einigermaßen zu beherrschen, —
das Verlangen nach Besserung der Lebenslage findet sich überall. Aber wie soll
es besser werden? Wer kann mitsprechen und mitraten? Nicht der Unwissende,
sondern nur der Wissende. Das Wissen giebt die Vollmacht, sein Wort mit auf
die Wagschale zu legen, wenn die Geschicke des Volkes neu geordnet werden sollen.
Wissen ist Macht.
Alles Wissen aber ist nicht etwas Angeborenes, das wir schon fertig mit auf
die Welt bringen: es muß erworben werden, man muß lernen. Zwar an dem
guten Willen zu lernen fehlt es unserm Geschlecht weniger als irgend einem frü
heren. Jedoch so viel auch der Einzelne zu lernen strebt, meistens sieht man
ihn sich mühen um das, was er auch wirklich verwerten kann. Es giebt aber
noch etwas Höheres als dieses, nämlich zu lernen, wie der Mensch selbst einen
Wert bekomme. Wer uns dies lehren kann, wie wir selbst einen Wert und zwar
einen ewigen Wert bekommen, sollten wir von dem nicht lernen wollen?

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