April 1895.
I. Abteilung. Abhandlungen.
Aus dem Nachlasse ch F. W. Dörpfelds.
Ethische Grundfragen/)
ii.
Wo kommt das Sittliche zu-r Erscheinung und wo liegt für seine
Beurteilung die entscheidende Stelle?
Im vorigen Artikel haben wir nach der Weise der Lehrbücher zu
vörderst den Begriff der Ethik festgestellt. Jetzt, wo näher an den Gegen
stand herangetreten werden muß, wollen wir die ursprüngliche Forschung
zum Muster nehmen und demgemäß vom erfahrungsmäßig Ge
gebenen ausgehen.
Werfen wir zur Vergleichung vorab einen Blick darauf, wie es bei
den andern Wissenschaften in dieser Beziehung steht und zugeht. Auch bei
ihnen, und zwar bei allen ohne Ausnahme, hat die Forschung mit irgend
etwas empirisch Gegebenen, also mit Thatsachen der Erfahrung, beginnen
müssen. Warum? Aus zwei Gründen. Einmal sind empirische That
sachen deshalb nötig, weil sonst das Denken keinen Stoff hätte, da ja
niemand denselben aus den Fingern saugen kann. Zum andern deshalb,
damit die Forschung festen Boden unter den Füßen habe. Es müssen
demnach solche Erfahrungsthatsachen vorliegen, welche jeder, der gesunde
Sinne hat, kennt, oder doch kennen lernen kann, die also niemand leugnet
oder bezweifelt. Wie bringen nun die gegebenen Thatsachen das Denken
in Bewegung? Fällt an denselben dem Beobachter etwas auf, was seine
Verwunderung erregt, so entsteht damit eine Frage, und die Frage fordert
dann zum Überlegen auf. So kommt das Forschen in Gang. Plato hat
also recht, wenn er sagt: Die Verwunderung ist die Mutter der Philo-
i) Von den „Ethischen Grundfragen" veröffentlichte der Heimgegangene Be
gründer dieser Zeitschrift 1887 die Einleitung (Aprilheft, und Stück IAuf-
gabe der Ethik (Juniheft). Da die Bearbeitung dieser ethischen Fragen aus
drücklich für das Schulblatt bestimmt war, so haben auch die beiden im Nachlasse
vorgefundenen weiteren Stücke das erste Recht darauf, zunächst im Schulblatt
als Fortsetzung jener ersten abgedruckt zu werden. Stück II wird aber mit den
vorhergehenden auch dem XI. Bande der Gesammelten Schriften „Zur Ethik"
eingefügt, der gleichzeitig mit diesem Heft herauskommen wird. Die Skizze III
„Begriff des Guten" erscheint aber nur hier im Schulblatt. D. Red.
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