Dörpfeld und die religiösen Klassiker.
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Klassikers daß er nicht dieselbe Sache auch von anderen Seiten hätte beleuchten
können. So bringt er in einem größeren Aufsatz alles unter den Protest gegen
Memoriermaterialismus'. Unsere Besprechung will aber natürlich nicht nur zum
Studium von neu herausgegebenen Dörpfeldschen Schriften anregen; sie möchte
dazu beitragen, die bleibende Bedeutung der Reformgedanken des Heimgegangenen
Pädagogen für den Religionsunterricht festzustellen. Nicht um der bloßen Ehre
willen, obwohl es auch hier heißt ,Ehre dem Ehre gebührt'; es ist nicht würdig,
von der Arbeit eines anderen zu zehren, ohne ihn zu nennen oder vielleicht nicht
einmal zu kennen. Doch an der äußeren Anerkennung lag Dörpfeld nichts. Aber
daraus kommt viel an, daß nicht hier einer und dort einer planlos mit neuen,
an sich möglicherweise guten Gedanken hervortritt und vielleicht meint etwas noch
nie Dagewesenes entdeckt zu haben, anstatt auf dem schon gelegten guten Grunde
rüstig weiterzubauen. Von mir selbst wenigstens muß ich gestehen, daß es zur
klareren Begründung und größeren Reife dessen, was ich früher zur Katechismus
frage beigebracht habe, wesentlich gedient hätte, wenn ich gewußt, wie gründlich
Dörpfeld auch auf diesem Gebiete schon vorgearbeitet hatte. Und sodann würde
die eingehende Kenntnis der Leistungen Dörpfelds auch dazu dienen, daß sich die
Durchsetzung solcher gesunden neubelebenden Grundsätze etwas mehr beschleunige.
Wir freuen uns ja herzlich bemerken zu können, daß Dörpfeld und sein
Gesinnungsgenosse Ziller und dessen Schüler nicht vergeblich gearbeitet haben;
daß eine Arbeit in der oben dargelegten Richtung wie z. B. die des energischen
Dr. Thrändorf immer weitere Kreise zieht; daß gewisse Leitgedanken für eine
lebensvollere Handhabung des Religionsunterrichts immer mehr als maßgebend an
genommen werden auch da, wo man den Namen der Herbartschen Schule und
Dörpfelds und deren Verdienste um diese Sache nicht nennt.
Wie fruchtbar die Arbeit der neueren, wenn wir so sagen dürfen, psycho
logisch-ethischen Schule in der Pädagogik, der Dörpfeld mit Leib und Leben an
gehörte, gewesen, zeigen manche neu herausgekommene Hülfsbücher für den Re
ligionsunterricht, z. B. die von Stadtschulinspektor Armstroff in Duisburg
und Schulrat Hechtenberg in Minden. Ersterer bietet ein Evangelisches
Religionsbuch für die Hand der Schüler, enthaltend Gebete, Biblische
Geschichte, Kirchengeschichte, Bibelkunde, Katechismus und
Kirchenlied/) also eine Konzentration des gesamten religiösen Lehrstoffs, mit
i) Herausgekommen int Verlag von H. Beyer & Söhne, Langensalza, 1893.
6. Ausl. 272 S. Preis geb. 0,80 M. Es ist diese Bezugnahme auf einige neuere Ar
beiten zugleich ein Beispiel für die Form, zu der ich künftig beachtenswertere Ver
öffentlichungen im Zusammenhange zu besprechen oder wenigstens zu nennen gedenke,
da die Redaktion des : chulblatts auf die Einzelanzeige der gerade einlaufenden Recen
sionsbücher zu verzichten gedenkt. Verfasser und Verleger mögen also solche Hinweise
als Bücherbesprechung gelten lassen und verwenden.

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