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Aus dem Nachlasse f F. W. Dörpfelds rc.
nämlich wirklich befolgt werden, indem dann diese Handlungsweise, gleich
den äußeren Sitten, allmählich zur Gewohnheit wird.
Was wir uns vorhin auf leichte Weise verständlich gemacht haben,
wie im Denken die ethischen Imperative oder der Begriff des Sollens
(der Pflicht) entsteht, das ist früher jahrhunderte- und jahrtausendelang
unter den philosophischen und theologischen Ethikern ein Gegenstand großen
Kopfzerbrechens und heftigen Disputierens gewesen. Kein Wunder; die
Psychologie vor Herbart wußte über die Anlage und naturwüchsige Ent
wicklung des ethischen Wissens keine sichere Auskunft zu geben, und am
allerwenigsten über die Entstehung des dem ethischen Gebiete eigentümlichen
Begriffs des Sollens. Wenn man alles zusammenstellen wollte, was über
diesen Kardinalpunkt gemutmaßt, behauptet und gestritten worden ist, so
würde ein interessantes Stück Kulturgeschichte herauskommen. Hier wäre
also ein Anlaß, nebenbei einen Blick in die Geschichte der Ethik zu werfen. —
Anmerkung des Herausgebers. In der That folgen nun in den
hinterlassenen Manuskripten längere Auszüge aus ethischen Lehrbüchern, besonders
über die Geschichte der antiplatonischen, eudämonistischen Ethik oder „der Moral des
wohlverstandenen Interesses". Da diese aber unverarbeitet geblieben sind, so dürfen
wir sie hier nicht mit aufnehmen. — Von der Bearbeitung der eigentlichen Frage
dieses zweiten Kapitels liegt leider nur der erste Entwurf vor. Aber auch diese
Skizze ist lehrreich genug, um hier mitgeteilt werden zu können.
Nach diesem Überblick der gegebenen ethischen Erfahrungs
thatsachen können wir uns jetzt zu der an der Spitze stehenden Frage
wenden:
A, Wo kommt das Ethische zur Erscheinung? (Oder:
wo tritt es in die Außenwelt? wo kann es beobachtet werden?)
B. Auf welche Stelle hat der Blick sich zu richten, wenn über eine
Person ein moralisches Urteil gefällt werden soll?
(Oder: wo ist für das moralische Urteil die entscheidende
Stelle?)
ad A. 1, In den menschlichen Handlungen.
So wenigstens nach den gegebenen Thatsachen
(Urteilen, Sitten u. s. w., s. o.)
2. Die Handlungen sind Bewegungen leiblicher Organe, also körper
liche Dinge; ist denn das Ethische eine Eigenschaft des Körper
lichen als solchen — sei es eine allgemeine, die allen Kör
pern eignet, oder eine besondere gewisser Körperarten, oder eine,
die in besonderen Zuständen der Körper hervortritt?

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