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I. Abteilung. Abhandlungen.
dem „Bemühen, den Religionsunterricht von der untersten bis zur obersten Stufe
einheitlich zu gestalten, die inhaltlich verwandten Stücke aus den verschiedenen
Zweigen desselben zusammenzustellen, aufeinander zu beziehen und erleuchtend
aufeinander wirken zu lassen." Es entspricht durchaus den Forderungen Dörp-
felds, wenn der Verfasser in einem kurzen Begleitwort erklärt: „Was die me
thodische Behandlung der einzelnen Geschichten betrifft, so hat dieselbe es
nicht bloß darauf abzusehen, daß die denselben entsprechenden Vorstellungen und
Vorstellungsreihen im Geiste der Kinder richtig erzeugt werden und zu möglichster
Klarheit gelangen, sondern gleichzeitig darauf, daß die den Geschichten zu Grunde
liegenden sittlichen und religiösen Wahrheiten auf dem Wege der Anschauung,
Vergleichung und Entwicklung von den Schülern aufgefunden, erkannt und aus
gesprochen, dann in die Form von Bibelsprüchen, Liederstrophen, Katechismus
stücken rc. gefaßt und in dieser eingeprägt werden. Nicht minder aber ist auf die
richtige Ausbildung des Gefühls- und des Willenslebens der Kinder Bedacht zu
nehmen. Dies geschieht dadurch, daß in den Schülern nicht bloß Interesse für
die biblischen Personen und deren Erlebnisse erzeugt, sondern auch ein möglichst
hohes Maß von Anteilnahme an ihrem Ergehen, ihren Schicksalen, ihren Leiden
und Freuden in ihnen hervorgerufen und: das Kind soll die biblische Geschichte
an und in sich erleben." „Die Wahrheiten des Katechismus und der
Sprüche werden zu Ergebnissen einer richtigen methodischen Behandlung der bib
lischen Geschichte und finden in dieser ihre Begründung. Dieselben sind den
Kindern nun keine unverstandenen Dinge mehr, sondern reife Früchte, die vom
Baum ihrer Erkenntnis von selbst abfallen."
Diese Grundsätze sind nun natürlich nicht unmittelbar auf Dörpfeld zurück
zuführen, man möchte sie schon für das Gemeingut einer gesunden Pädagogik
unserer Zeit ausgeben können. Daß man aber von Dörpfeld immer noch zu
lernen und die richtigen Erkenntnisse noch besser klären kann, zeigt ebenfalls
dieses Buch. Herr Armstroff urteilt: In der biblischen Geschichte findet „die
christliche Lehre, wie wir sie in den Aussprüchen der Propheten, in den Reden
und Gesprächen Jesu, sowie in den Briefen der Apostel finden und wie sie im
Katechismus kurz zusammengefaßt ist, ihre Erläuterung." Da haben wir den
noch unüberwundenen Rest des Scholasticismus, der das Christentum zu einer
Lehre macht, die in den Geschichten ihre „Erläuterung" findet; darnach gingen
zwei verschiedenartige Offenbarungsweisen Gottes neben einander her, die Lehr
offenbarung und die Thatoffenbarung/) die nun aber glücklicherweise in kunstvolle
Übereinstimmung mit einander gebracht werden können. So lange dieser Irrtum
*) Wirklich spricht es Seminardirektor R. Stolzenburg in Sagan in seinem
ev. Religionslehrbuch zum Gebrauch in Lehrerseminaren und für Volksschullehrer
(I. Teil. Gotha 1894, Thienemann) gleich an der Spitze seiner Einleitung gerade mit
diesen Worten aus.

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