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I. Abteilung. Abhandlungen.
Wirkungen, Anzeichen, Symptome des Ethischen,
aber nicht die ethische Kraft, nicht das Wesen.
Der Sitz des Ethischen ist nicht in den Handlungen, im
Körperlichen, im Äußeren, sondern im Innern, im Geiste, in
der Gesinnung.
Sind die Handlungen, die Werke nicht der eigentliche Sitz
des Ethischen, so sind sie auch nicht die entscheidende Stelle für
das moralische Urteil; — die entscheidende Stelle ist die Ge
sinnung.
Wir blicken wohl auf die Handlungen hin, weil das Innere,
die Gesinnung direkt nicht besehbar ist; aber wir blicken bloß
darum auf die Handlungen, weil wir sonst kein Mittel haben,
um über das Innere, über die Gesinnung Kunde zu erhalten,
Erst wenn die Gesinnung unzweifelhaft festgestellt ist, erst
dann kann das moralische Urteil sicher ausgesprochen werden,
denn nun trifft es das Wesen des Ethischen.
2. Die Frage nach der entscheidenden Stelle des moralischen Urteils
haben wir nur soweit beantwortet, daß gesagt wurde, die ent
scheidende Stelle liege nicht im Äußeren, sondern im Inneren,
nicht in den Handlungen, sondern in der Gesinnung. Wir
werden jetzt den Punkt, wohin geblickt werden muß, noch näher
bestimmen müssen.
Der Begriff „Gesinnung" deckt sich (zum Teil) mit „moralischer
Charakter". Er umfaßt die Gesamtheit der moralischen Eigen
schaften einer Person. Der Unterschied der beiden Ausdrücke liegt
darin, daß das Wort „Charakter" dann gebraucht wird, wenn
die einzelnen moralischen resp. unmoralischen Eigenschaften deut
lich und scharf hervortreten.
Die Gesinnung ist offenbar etwas Zusammengesetztes.
Sie ist überdies mit dem gesamten Seeleninnern ver
flochten. Der Blick weiß also noch nicht genau, wohin er zu
schauen hat, wenn er in dem vielgestaltigen Seeleninnern die Ge
sinnung finden will.
Das Seelenleben zeigt dreierlei Thätigkeiten: Erkenntnis
thätigkeiten, Gefühle und Begehrungen. Nun fragt
es sich:
Sind bei der Gesinnung alle dreiSeelenthätig-
keiten beteiligt, oder nur zwei, oder nur eine
einzige?

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