Aus dem Nachlasse f F. W. Dörpfelds rc.
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Diese (2.) Frage läßt sich mit Hülfe der Psychologie, selbst der bloßen
Erfahrungspsychologie, leicht beantworten.
Antw. a. Eine bewußte Handlung (und das muß die moralische
sein) kann nur hervorgehen aus einem Begehren, genauer:
aus einem Willensentschluß. Der Wille ist also
jedenfalls beteiligt.
a) Ein Wollen kann nicht entstehen, ohne ein vorausgehendes
Gefühl. Das Gefühl ist also ebenfalls beteiligt.
b) Ein Gefühl setzt aber wieder Vorstellungen voraus,
welche dasselbe erregt haben; denn „was ich nicht weiß,
macht mich nicht heiß." Mithin ist die Erkenntnisthätigkeit
ebenfalls beteiligt.
Die Gesinnung oder der Charakter setzt sich demnach aus allen
drei Seelenthätigkeiten zusammen.
(Manche Ethiker haben sich bei dieser Antwort beruhigt und sind
dadurch in arge Irrtümer geraten.!
3. Hat nun bei einem moralischen Urteil der Blick sich zu richten
auf alle drei Faktoren, oder bloß auf zwei, oder endlich bloß
auf einen?
(Es ist aber nicht gemeint ein Urteil über die Gesamtgesinnung
einer Person, sondern insofern die Gesinnung in einer bestimmten
einzelnen Handlung sich äußert.)
Diese (3.) Frage ist von einer viel größeren Bedeutung innerhalb
der Ethik, als man auf den ersten Blick denkt. Wir müssen darum in
der Untersuchung sehr vorsichtig vorgehen, — Schritt vor Schritt.
a) Erkenntnisthätigkeit. Ist hier die Stelle, wo ein mo
ralisches Urteil gefällt werden kann?
(Oder mit andern Worten: Können Vorstellungen, Gedanken,
Ansichten, Systeme, Schlüsse u. s. w. Gegenstand der mora
lischen Beurteilung sein? Haben Ansichten, weil sie
richtig sind, als solche eine moralische Würde, — und: sind
die unrichtigen als solche moralisch tadelhaft?
Gedanken als solche können nur beurteilt werden nach Rich
tigkeit oder Unrichtigkeit.!
Antw. Nein, weil Vorstellungen für sich allein gar kein
Handeln hervorrufen.
b) Gefühle. Ist hier u. s. w.
Antw. Nein, weil u. s. w.
o) Wille. Ist hier u. s. w.
Antw. Mit dem Willensentschluß ist der psychische Prozeß

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