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I. Abteilung. Abhandlungen.
abgeschlossen. Wie er abschließt, so gestaltet sich die Hand,
lung, — wenigstens ist sie so gemeint.
Hier wird demnach die Stelle sein, wo das moralische Ur
teil gefällt werden kann.
Allein auch mit dieser Antwort dürfen wir uns noch nicht beruhigen.
Es fragt sich:
4. Ist der Wille allein ins Auge zu fassen, oder sind auch die
vorausgegangenen Gefühle und Vorstellungen zu berück
sichtigen?
Antw. Kant: „Es ist überall nichts in der Welt, ja auch
außerhalb derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung
(ohne Vorbehalt) gut (oder böse) geheißen werden kann, als
allein ein guter (oder böser) Wille."
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Diese theoretische Darlegung war nun für Dörpfeld nur die Unterlage für die
praktische Verwertung, die er bei seinen ethischen Aufsätzen für das Schulblatt haupt
sächlich ins Auge gefaßt hatte. Welche Bedeutung diese Erörterungen für den Un
terricht gewinnen, zeigt sich erst bei den An wen düng saufgaben, die der Ver
fasser in reicher Auswahl anschließt, z. B. 1. Kann der naturkundliche Unterricht
sittlich-erziehlich wirken? oder: Enthält die Naturkunde ethische Elemente?
2. Kann das Ästhetische unmittelbar erziehlich wirken? 3. Können Institutionen
als solche moralische Institutionen heißen? (Z. B. Schule, Waisenhaus, — Familie,
Staat, Kirche, — Litteratur.) 4. Wie ist der Ausdruck „heilig" zu fassen —
z. B. heil. Ort, h. Kleidung, h. Stand, — h. Schrift, h. Altar, h. Taufe, h. Abend
mahl, — h. Gemeinde? Welche Tragweite aber ein tiefdenkender Geist den vor
getragenen Ergebnissen zu verschaffen versteht, zeigt vor allem eins dieser Anwendungs
beispiele, das in einer vollständigen Skizze durchgeführt ist und nichts Geringeres klar
zu legen sucht als Pauli Stellung zum Gesetz und den Begriff der
Glaubensgerechtigkeit.
Anwendung dieser Untersuchung aus die „Gerechtig
keit aus dem Glauben".
Paulus stand vor der Frage: ist die mosaische Lebensordnung
noch für die Christen verbindlich — in dem ursprüng-
lichen Sinne, d. h. als staatliches Gesetz?
Er entscheidet: Nein.
Gründe:

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