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I. Abteilung. Abhandlungen.
Soweit nun dadurch die rechte Gesinnung (Gerechtigkeit)
befördert wurde, soweit konnte dieses ganze Gesetz auch
eine „Gabe" heißen (zum Unterschied von bloßer Forderung).
Darum konnte Paulus sagen auf die Frage: was nützt
denn das Gesetz? — „viel, in alle Wege." Er wußte
aber, daß es nur ein vorbereitender Pädagoge war,
und der vollkommene Pädagoge erst kommen sollte.
Paulus hat die Kardinalfrage (vom Gerechtwerden) zuerst und für
immer gelöst — in folgender Weise:
In dem Satze:
„Gerechtigkeit — aus Glauben (in Christo),"
liegen zwei Begriffe, also auch zwei Unterfragen:
1. Was ist Gerechtigkeit?
2. Woher kommt sie?
Er antwortet (demonstriert):
Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, besteht nicht in äußerlichen
Handlungen, sondern in der rechten Gesinnung (im rechten Wollen).
Besteht sie nun in der rechten Gesinnung, die nicht da sein kann
ohne die entsprechenden Werke, so braucht von Werken nicht die Rede
zu sein; es darf aber auch nicht davon die Rede sein, weil sonst
verdunkelt wird, daß es sich um die rechte Gesinnung handelt.
Damit war die Hauptsache in dem Dogma erledigt, denn nun be
antwortet sich die zweite Frage leicht.
III.
Begriff des Guten.
(Unterschied vom Wahren, Schönen, Zweckmäßigen und Angenehmen.)
A. Begriffsbestimmung.
Man pflegt als edle Ziele des menschlichen Strebens zu
nennen:
1. das Wahre,
2. das Schöne,
3. das Gute.
Außer diesen Strebezielen bietet das Menschenleben oder auch
noch andere:
4. das Nützliche (Zweckmäßige),
5. das Angenehme.
So hätten wir also der möglichen Strebziele fünf.

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