Dorpfeld und die religiösen Klassiker.
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noch nicht beseitigt ist, solange man noch nicht die überlieferte Anschauung auf
gegeben hat, die Lehre nehme eine selbständige Stellung neben der Ge
schichte ein, während sie doch nichts anderes als das Verständnis der lebendigen
Offenbarung Gottes in Thaten und Personen ist und die Verständigung über
dieselbe, — so lange haben wir auch noch nicht die rechte unterrichtliche Behand
lung der Christenlehre.
Ebenso begrüßen wir das Hechtenbergsche Buch — „Biblische Ge
schichten erzählt und mit dem gesamten Religionsstoff der Volksschule in sach
lichen Zusammenhang gebracht" * *) — als eine der neuen Leuchten auf dem Wege
gesunden Fortschritts. Ähnlich wie Armstroff spricht sich Regierungsrat Hechten
berg über seine Leitgedanken aus: „Um die biblischen Geschichten zum Ausgangs
und Mittelpunkt des gesamten Religionsunterrichts zu machen, sind mit den Er
zählungen die religiösen Lernstoffe der Volksschule sachlich verknüpft worden. Die
religiösen und sittlichen Gedanken der biblischen Geschichten sollen ihren klassischen
Ausdruck in den beigegebenen Bibelsprüchen, Psalmen und Kirchenliedern finden.
Für die Auswahl dieser Stoffe ist die Absicht bestimmend gewesen, möglichst den
gesamten religiösen Lernstoff der Schule mit verwandten biblischen Geschichten zu
verknüpfen und dadurch ohne viele Worte dem Verständnis der Kinder zu ver
mitteln. Es sollen biblische Geschichten und religiöse Lernstoffe wechselseitig ein
ander dienen und zum Verständnis verhelfen." Namentlich freue ich mich, die
specifisch Dörpfeldsche Forderung des freien Wortes, der selbständigen Wiedergabe
und ,Umformung* hier so bestimmtaufgenommenzu finden: „Bei der Erzählung
des Schülers ist demselben in Bezug auf Form und Inhalt völlige Freiheit in
der Darstellung zu gestatten." Auch das entspricht Dörpfelds Streben nach einer
verständnisvollen Durchdringung des Stoffes, wenn den Erzählungen sachgemäße
„Aufgaben" beigegeben sind, die auf der Oberstufe von den Schülern zu Hause
gelöst werden sollen.
Nach ähnlichen Grundsätzen ist auch das Religionsbuch von Falcke
und Förster?) bearbeitet, welches enthält: Biblische Geschichten Alten und Neuen
Bundes, Bilder aus der Kirchengeschichte, Katechismus mit Erläuterungen und
Anhang: Haustafel, Bekenntnisse, Scheidelehren, Bibelkunde, Gebete, 70 Kirchen
lieder. Es heißt da im Vorwort: „Das Leben unseres Heilandes möglichst ein
gehend und in abgerundeten Bildern zur Darstellung zu bringen, schien uns von
') Im Verlage von C. Bertelsmann erschienen, 4. Aufl. 1894, 352 S. geb. 1 M.,
Obige Bemerkungen beziehen sich auf die Ausgabe für die Oberstufe, die andere für
Mittel- und Unterstufe (geb. 70 Pf.) war mir nicht zur Hand.
*) Pädagogischer Verlag von Hermann Schrödel, Halle a. S., 3. Aufl. 238 S.
Preis in Leder geb. 0,90 M. Dazu gehören die Einheitlichen Präparationen für den
gesamten Religionsunterricht in sieben Teilen von August Falcke in demselben Verlag
von 1890 an.

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