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Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc.
Antw.: Naturgegeben ist nur bei jedem Menschen der
Naturtrieb (das Verlangen) nach seiner eigenen
Wohlfahrt. Ein Naturtrieb, der auf die Wohl
fahrt aller — des Ganzen — geht, ist nicht
gegeben.
Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen und ihre
scheinbare Beseitigung durch unvollkommene
Schuleinrichtungen.
Auch ein Beitrag zur Leidensgeschichte der Volksschule.
Von Ed. Thalfeld.
III. Ursachen.
Als nächste Ursache der geschilderten Zustände erscheint dem oberflächlichen
Beobachter die Thatsache, daß der Staat und vor allem die politischen Gemeinden
ihren Verpflichtungen gegen Schule und Lehrer nur ungenügend nachkommen.
Allein dieser Umstand hat mehr symptomatische Bedeutung und weist auf tiefer
liegende Ursachen hin. Dieselben sind hauptsächlich in den Mängeln unserer
Schulverfassung zu suchen, die bei ihrem vorwiegend bureaukratischen Charakter
weder den rechten Träger der Schullasten kennt, noch der Schule die ausreichende
Vertretung ihrer Jnteresien verbürgt. Diese Mängel werden noch verschärft durch
die Zustände auf sozialem und kirchlichem Gebiete, durch die bei mangelhafter
Pflege der Schule unvermeidlichen geringen Leistungen derselben und endlich durch
die landläufige geringschätzige Ansicht von der Pädagogik wie vom Schulamte.
Die bürgerlichen Gemeinden sind nicht die geeignetsten Träger der Schul
lasten. Die Erfahrung lehrt, daß besonders die Landgemeinden, rühmliche Aus
nahmen abgerechnet, nur so viel für die Schule thun, als sie notgedrungen thun
müssen. Das hat verschiedene, teils notwendige, teils zufällige Gründe. Zahl
reiche Glieder der politischen Gemeinden, nämlich alle unverheirateten Personen
und alle kinderlosen Familien, haben an der öffentlichen Schule überhaupt kein
unmittelbares Interesse. Viele andere, die ihre Kinder in höheren Schulen oder
privatim unterrichten lassen, interessieren sich wenig für die Volksschulen. Zu
ihnen gehören in der Regel die maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinde, in
Landgemeinden gewöhnlich die reichsten Besitzer des Dorfes, die ihren Reichtum
nicht selten dem Umstande verdanken, daß weder sie noch ihre Väter je einen
Pfennig für entbehrliche Dinge ausgegeben haben. Dahin rechnen sie aber in
erster Linie auch Ausgaben für ideale Zwecke, also für die Schule. Ferner hat
die Gemeinde neben der Schule noch für zahlreiche andere Dinge zu sorgen, die
man für nötiger hält als einen guten Unterricht, weil ihr Fehlen leichter und

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