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I. Abteilung. Abhandlungen.
schmerzlicher empfunden wird. Es ist begreiflich, daß ein schlechter Kommunika
tionsweg oder ein untauglicher Zuchtstier der Gemeinde mehr Sorgen macht, als
eine überfüllte und dadurch leistungsunfähige Schule, obgleich letztere zweifellos
schädlicher wirkt. Auch können manche Gemeinden für die Schule nichts thun,
weil sie unvermögend oder durch schlechte Verwaltung in Schulden geraten sind.
Wieder andere Gemeinden haben zwar Vermögen, aber der Gemeindevorsteher
sucht seinen Stolz darin, der Gemeinde Ausgaben zu sparen. Besonders die
jenigen unter ihnen, welchen die für ihr Amt nötige Bildung fehlt/) und die
daher nicht verstehen, die Einnahmen der Gemeinde zu erhöhen, sei es durch
Obstbau, Fischzucht, Urbarmachung von Ödland u. s. w., suchen diesen Mangel
gewöhnlich dadurch zu ersetzen, daß sie für die Gemeinde geizen. In den Stadt
gemeinden sind die Verhältnisse in der Regel besser, weil höher gebildete Männer
an der Spitze stehen, die .die Bedeutung der Schule besser zu würdigen wissen
als die Landbewohner.
Da nun zahlreiche Erfahrungen die Lehrer überzeugt haben, daß von den
politischen Gemeinden keine Besserung der Frequenz- und Besoldungsverhältnisse
zu hoffen ist, so erwarten sie desto mehr Heil von der reinen Staatsschule.
Zwar ist von seiten des Staates in jüngster Zeit viel geschehen, um die Lage
der Schule und der Lehrer zu verbessern. Man denke nur an das Pensions
gesetz und die Alterszulagen. Dennoch sollten grade die letzten zehn Jahre un
serer Schulgeschichte auch die eifrigsten Anhänger der Staatsschule belehrt haben,
daß der Staat weder der alleinige noch der geeignetste Träger
der Schullasten sein kann. Einmal setzt er sich ja aus den bürgerlichen
Gemeinden zusammen und darum muß sich bei ihm im großen wiederholen,
was sich bei jenen im kleinen zeigt. Auch hier entscheiden über die Volksschule
Männer, deren Kinder diese Schulen nicht besuchen. Auch hier drängen zahl
reiche Ausgaben für Verwaltung, für Rechtspflege und namentlich für das Heer
wesen die Ausgaben für die Schule in den Hintergrund. Sodann aber fällt
ins Gewicht, daß alles, was der Staat für die Schule leisten will, zuvor der
Genehmigung der gesetzgebenden Körperschaften bedarf, und so die Schule von
den politischen Parteien abhängig wird.
In Bezug auf letzteren Punkt ist die gegenwärtige Situ
ation auf dem Schulgebiete höchst lehrreich. Bekanntlich wurde im
Jahre 1887 ein Gesetz betreffend die Feststellung der Anforderungen für die
Volksschulen von der Volksvertrerung angenommen, das am 26. Mai desselben
Jahres in Kraft getreten ist. Als den Vater des Gesetzes bezeichnete man den
*) Es ist bedauerlich, daß diese ersten und zahlreichen Vertreter der Staatsgewalt
für ihr wichtiges Amt keine besondere Vorbildung erhalten oder eine solche nachzuweisen
haben. Vergl. auch Rolle, Die Selbständigkeit der Schule. Pädagogische Studien
Heft IV. 1889.

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