Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc. 153
Fürsten Bismarck. Dasselbe setzt in Paragraph 2 fest, daß über jede von der
Schulaufsichtsbehörde fortan beanspruchte Steigerung derjenigen Leistungen, welche
von den zur Unterhaltung der Volksschule Verpflichteten bisher aufgebracht
worden seien, bei Widerspruch der Verpflichteten der Kreis- resp. Bezirksausschuß
zu beschließen habe. Dadurch sollten die Gemeinden gegen übertriebene An
forderungen seitens der Schulbehörden geschützt werden. „Wo nichts ist," sagte
Fürst Bismarck bei Beratung des Gesetzes im Herrenhause, (15. Febr. 1887)
„da hat der Kaiser sein Recht verloren. Wenn die Zahlungsfähigkeit in Abrede
gestellt wird, so tritt schon heute das ein, daß der Staat entweder die Lasten
übernimmt, wenn er Geld hat, oder, wenn er es nicht hat, auf die Steigerung
verzichtet. Früher war das anders. Da streckte sich die Schulverwaltung nach
der Decke, die sie hatte, da war eine herkömmliche Dotation vorhanden, und
was daraus nicht zu bestreiten war, das unterblieb. Infolge dessen blieben die
Schuleinrichtungen hinter dem, was heute geleistet wird, sehr zurück, und der
Vorsprung, den die heutigen Leistungen haben, ist vielleicht
größer, als er für zweckmäßig, für notwendig gehalten werden
kann." Der damalige Kultusminister v. Goßler verteidigte das Gesetz be
sonders durch den Hinweis darauf, daß es ein Unterrichtsgesetz veranlassen
würde. „Es ist ja immerhin möglich," so führte er aus, „daß entweder die
Selbstverwaltungsorgane die ihnen gestellten Aufgaben soweit verkennen, daß sie
zwar die in der Unterrichtsverwaltung gestellten Anforderungen als durchaus be
rechtigt anerkennen, aber, ohne daß dies in den konkreten Verhältniflen begründet
wäre, die Durchführung der Anforderungen verhindern und einen Hemmschuh der
Entwicklung des Schulwesens anlegen, um den Staat zu zwingen, daß er mit
seinen Mitteln den Unterhaltungspflichtigen immer mehr die Last abnimmt, oder
daß die Selbstverwaltungsbehörden — — solche Interessen in den Kreis ihrer
Erwägungen hineinschieben, die zu einer falschen und nachteiligen Entwicklung des
Schulwesens Veranlassung geben könnten. Würde das der Fall sein, so würde
meines Erachtens — — die öffentliche Überzeugung, daß ein andrer Weg
beschritten werden muß, das Verlangen nach einer gründlichen Gesetzgebung so
mächtig werden, daß die die Grundlagen des Staates berührende Frage gelöst
werden müßte." In der That wurden wenige Jahre darauf, 1890 von Herrn
v. Goßler, 1892 durch Herrn v. Zedlitz, zwei Unterrichtsgesetz-Entwürfe nach
einander vorgelegt, von denen das eine, das mehr staatlich-bureaukratischen Cha
rakter trug, abgelehnt, das andere, das mehr den kirchlichen Interessen entgegen
kam, zum lebhaften Bedauern der klerikal-konservativen Mehrheit aufgegeben
wurde. Der neue Kultusminister Dr. Bosse gewann bald die Überzeugung, daß
die Übelstände auf dem Schulgebiete, vor allem die Überfüllung der Schulklassen
und die geringe Besoldung vieler Lehrer, dringend Abhülfe verlangten. Er legte
deshalb das Gesetz betreffend die Verbesserung des Volksschulwesens und des

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