154
I. Abteilung. Abhandlungen.
Diensteinkommens der Volksschullehrer vor, das bei Beginn des Jahres 1893
zur Beratung gelangte. Es forderte, daß aus den Überschüssen der Einkommen
steuer 3 Millionen für Verbesserung der Lehrergehälter und 6 Millionen für
Volksschulbauten und deren Ausstattung gewährt werden sollten. Für letzteren
Zweck — Bau neuer Schulen — wurde außerdem ein jährlicher Beitrag von
1 Million Mark verlangt. Paragraph 4 forderte zudem die Aufhebung des
Gesetzes von 1887. In seiner ersten Rede für das Gesetz betonte der Herr
Minister zunächst, daß man „die zum Teil schreienden Mißstände, Unzuträglich
keiten, Härten und Ungerechtigkeiten in unserem Lehrerbesoldungswesen nicht mit
dem allgemeinen Satze: „Die Lehrer haben bereits genug bekommen," abweisen
könne. Es handle sich um die Beseitigung von Notständen, an denen der Staat
absolut nicht vorbeizukommen vermöge. Unter der Herrschaft des Gesetzes von
1887 aber sei das nicht möglich. Dieses Gesetz sei von der Staatsregierung
selbst als ein provisorisches bezeichnet, nämlich bis zu der Zeit, wo reichlichere
Staatsmittel würden zu Gebote gestellt sein. Nun seien aber seit dem Jahre
1888 große Mittel des Staates zur Dotierung der Volksschule gegeben worden;
jener Zeitpunkt also bereits eingetreten. Es führe aber das Gesetz von
1887 zu Konsequenzen, welche das preußische Volksschulwesen
in seiner Existenz ernstlich gefährdeten. Durch dasselbe würden sämt
liche innere und äußere Fragen der Volksschule thatsächlich unter die an keine
Regel und Vorschrift gebundenen Entscheidungen der wählbaren, in ihrem Be
stände wechselnden Beschlußbehörden gestellt, deren höchste Instanz in der einzelnen
Provinz liege. Damit sei, abgesehen von der Langwierigkeit des Verfahrens, die
Einheitlichkeit des Schulwesens gefährdet. Auch häuften sich neuerdings die Fälle,
daß der Staat die ganze Last einer neu zu errichtenden Stelle tragen wolle und
die leistungsunfähige Gemeinde sich weigere, diese Hülfe anzunehmen, weil die
Garantie gegen eine spätere Heranziehung der Gemeinde zu Gehalt oder Pen
sionen bei dem widerruflichen Charakter der Staatsbeihilse fehle. So stehe die
Schulverwaltung mit allen ihren Mitteln hilflos dem Schulbedürf-
nis gegenüber. (1. Lesung am 10. Jan. 1893. Sten. Berichte des Abge
ordnetenhauses, Bd. I, S. 270—276). Bei der 3. Lesung des Gesetzes am
4. Mai wies der Minister gelegentlich einer Anfrage des Abg. Rickert nochmals
auf die Übelstände des Gesetzes hin und gab zum Belege dafür interessante Ein
zelheiten. — — „Ein Kreisausschuß bestritt im Gegensatz zur. Aufsichtsbehörde
die Notwendigkeit der Beschaffung von Unterrichtsmitteln z. B. Wandkarten; ein
anderer Kreis-Ausschuß glaubt hinsichtlich der Zahl der von einem Lehrer zu
unterrichtenden Kinder von den reglementsmäßigen Vorschriften vollkommen ab
weichen zu können. So hat z. B. ein Kreisausschuß entschieden, daß für 340
Kinder 3 Lehrkräfte vollkommen genügen. Ein Provinzialrat erkennt zwar an,
daß mehr als 100 Kinder von einem Lehrer nicht mehr mit Erfolg unterrichtet

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.