Die Überfüllung Oer Schulklassen in Preußen rc. 155
werden können; er sieht aber einstweilen von der Anstellung ab, weil 3 Lehrer
doch zur Not als ausreichend angesehen werden können. — — Was helfen uns
unsere allgemeinen Bestimmungen vom 15. Okt. 1872 über die internen Ein
richtungen der Schule, wenn Behörden, die vollständig außerhalb der Schulver
waltung stehen, in die materiellen Einrichtungen — — — in dieser Weise ein
greifen. Aber auch auf externem Gebiete ist es nicht anders. Ein Kreis
ausschuß hat der Feststellung einer von der Regierung verlangten Aufbesserung
einzelner Lehrer sich dadurch entzogen, daß er die in unmittelbarer Nähe der
als besonders teuer geltenden Bezirkshauptstadt gelegenen Orte einfach zu den
billigen Orten rechnete. — — Ein andrer Kreisausschuß hat im Jahre 1890
in betreff der Anstellung eines 4. Lehrers an einer vierklassigeu Schule, deren
Klassen mit 106, 92, 93 und 83 Kindern besetzt gewesen waren, folgendermaßen
entschieden: Er hat die Forderung der Anstellung eines 4. Lehrers zunächst ab
gesetzt, also abgelehnt, — — und er führt für seine Weigerung als Grund an, daß
ja die Zahl der Kinder in den einzelnen Klassen nicht so erheblich sei, daß die
Errichtung einer vierten Klasse geboten erscheine." So würden die Gemeinden
verwirrt. Sie sagten sich: Wir wollen einmal sehen, wie weit wir mit unserer
Weigerung kommen! Es würden die Unterrichtsbehörden lahmgelegt und die
allgemeinen Bestimmungen vom 15. Okt. 1872 illusorisch gemacht. „Wie soll
ich," so schloß der Minister, „die Verantwortung für die gesamte Unterrichts-
Verwaltung tragen, ich allein, wenn ich nicht die Schäden, die ich entdecke, hier
offen und klar darlege! (Lebhaftes Bravo links.) Ob Sie dies Gesetz annehmen
wollen, ob Sie glauben, daß Sie aus der Scylla der jetzigen Zustände in eine
Charybdis fallen, das habe ich zunächst nicht zu entscheiden. Wenn Sie mir
aber nicht helfen, dieses Gesetz zu beseitigen, dann trägt auch
die Landesvertretung die Verantwortung für die Zustände,
deren Fortdauer ich als nicht wünschenswert offen und ehrlich
hier vor Ihnen bezeichne." (Sehr richtig. Beifall links)?) Trotzdem
lehnte bekanntlich die klerikalkonservative Mehrheit des Hauses das Gesetz ab?)
„Ich muß im Namen meiner Freunde erklären, daß wir eine derartige ein
seitige Schullastenänderung im großen und ganzen gar nicht für möglich halten,
daß wir nach wie vor eine neue Schuldotation ohne ein einheitliches Volks
schulgesetz prinzipiell kaum für möglich halten." So erklärte der Abgeordnete v.
Minnigerode bei der 1. Beratung des Gesetzes. „Der Weg, den die Königliche
Staatsregierung uns vorschlägt, ist formell und materiell nicht gangbar!" so
lautete die Erklärung des Abgeordneten v. Zedlitz-Neukirch.
Versuchen wir nun, die Situation auf dem Schulgebiete, die gegenwärtig dieselbe
ist, wie im Mai 1893, kurz zu kennzeichnen. Die Schulbehörden erkennen das Vor-
9 Siehe ftenogr. Berichte des Abgeordnetenhauses 1893. (Bd. 4. 2239, Spalte
l ff.) 9 Das Resultat der Abstimmung erzeugte .Heiterkeit"!! {

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