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I. Abteilung. Abhandlungen.
handensein von Übelständen im Schulwesen an. Sie erstreben deren Beseitigung
und besitzen dazu, wenigstens zum Teil, die nötigen materiellen Mittel. Die
politischen Gemeinden weigern sich, den Anordnungen der Schulbehörden zu
folgen, selbst dann, wenn ihnen umfassende Beihilfen vom Staate in Aussicht
gestellt werden. Das Gesetz von 1887 macht es der Regierung unmöglich, die
Gemeinden zu Verbesserungen zu zwingen. Eine Beseitigung dieses Gesetzes
wird vergeblich gesucht. Damit ist die Ohnmacht der Schulverwaltung
Reformen auf dem Schulgebiete herbeizuführen, besiegelt. Der Kultusminister
selbst muß die Gefahr eines Stillstandes, ja Zerfalls unseres Volksschulwesens
öffentlich als vorhanden anerkennen.
So betrübend diese Sachlage für jeden ist, der ein Herz für unser Volk
hat, so erklärlich ist sie für den aufmerksamen Beobachter unseres politischen Par
teiwesens. Unsere Parteien sind eben einseitig nach politischen Gesichtspunkten
gebildet und darum völlig ungeeignet, auf den verschiedensten Lebensgebieten
guten Rat zu geben. Bei den Entscheidungen der Parteien spielt häufig das
Parteiinteresse eine viel wichtigere Rolle, als das wirkliche Wohl des Vaterlandes.
Auch hat bisher noch keine Partei dafür genügend Sorge getragen, daß Männer
aus den verschiedensten Berufskreisen, besonders solche, die im praktischen Leben
thätig sind, in ihr vertreten seien. Da endlich nicht alle Abgeordnete sich be
mühen, ein eigenes Urteil über das zu gewinnen, was den verschiedenen Volks
kreisen not thut, da sie infolgedeffen auch die Wichtigkeit der aus diesen Kreisen
an sie ergehenden Wünsche nicht vorurteilslos gegeneinander abzuwägen vermögen,
so wird ihre Abstimmung nichl so oft von Überlegungen bestimmt, die in der
Sache, sondern mehr von solchen, die außer derselben liegen. Am schlimmsten
fährt dabei die Schule, deren Interessen so gut wie gar nicht vertreten sind.
Es ist ja auch bei der Wahl eines Landtagsabgeordneten nicht die geringste Ge
währ geboten, daß vielseitig gebildete Männer gewählt werden, die das Volks
schulwesen kennen und Verständnis haben für das, was der Schule notthut.
Zudem bringt es das bei den Landtagswahlen herrschende Dreiklassenwahlsystem
mit sich, daß im Landtage die Interessen der besitzenden Klassen vorzugsweise
vertreten werden, so daß Gesetzentwürfe, die von diesen Klassen Opfer und neue
Leistungen fordern, sehr schwer durchzubringen sind. Jnteresienpolitik ist ja eine
Sache, der sich die politischen Parteien gegenwärtig kaum noch schämen. Was
nun die Stellung der einzelnen Parteien in Schulfragen anbelangt, so betonen
zwar alle ihr Wohlwollen für Schule und Lehrer, aber das geschieht meist aus
Wahlrücksichten und hat deshalb nicht viel zu bedeuten. Man kann getrost be
haupten, daß keiner Partei die Schule recht am Herzen liegt. Wenn die Lehrer
die liberale Partei zumeist unterstützen, weil sie meinen, sie habe das wärmste
Herz für die Schule, weil sie am häufigsten und eifrigsten für sie redet, so ver
gessen sie dabei, daß Worte nichts kosten, und daß eine in der Minorität be-

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