Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc.
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Was Freiligrath vom Dichter sagt, das gilt auch vom Lehrer: Auch er
steht auf einer höheren Warte als aus der Zinne der Partei. Eben weil die
Parteien nicht nur in Schulfragen, sondern auch in allen andern Dingen ein
seitig urteilen, eben weil der Wahrheit bald diese, bald jene Partei am nächsten
kommt, eben deshalb darf sich der Lehrer nicht einer einzelnen Partei in die
Arme werfen, sondern er muß sich zur Besserung der Schulverhältnisse an alle
Parteien wenden und im einzelnen Falle diejenige unterstützen, die seiner Über
zeugung nach der Wahrheit am nächsten steht. Leider haben wir Lehrer das
nicht immer gethan und sind daher keineswegs von aller Schuld an den herr
schenden Zuständen freizusprechen. Jahrelang hat der Lehrerstand die Schriften
einsichtsvoller Schulmänner, wie Dörpfeld und Ziller entweder nicht beachtet
oder, wenn sie sich dennoch Beachtung erzwangen, aufs heftigste bekämpft, und
zwar nicht zum wenigsten deswegen, weil diese Männer aus ihrem positiv-christ
lichen Standpunkte kein Hehl machten und erklärte Feinde nicht eines vernünf
tigen Fortschritts, wohl aber des herrschenden politischen und religiösen Radi
kalismus waren. Ähnliches erfahren noch jetzt die wenigen Lehrerzeitungen, die
nicht im radikalen Fahrwasser segeln und deshalb von den gegnerischen Lehrer
zeitungen auf jede mögliche Weise angegriffen werden. Und doch liegt es im
Interesse unserer Sache, daß sie von verschiedenen Standpunkten aus vertreten
werde. Stehen doch hauptsächlich deshalb die konservativen Parteien so manchen
unserer berechtigtsten Forderungen teilnahmlos gegenüber, weil es an Organen
gefehlt hat, die sie ihnen hätten nahe legen können. So lange die verschiedenen
politischen Parteien noch vorhanden sind, müssen auch Lehrerzeitungen der ver
schiedensten Parteirichtungen existieren, von denen natürlich keine vergessen dürfte,
den Überzeugungen des Gegners Berechtigung zuzugestehen. Auch die pädagogischen
Ideale des Lehrers sind leicht der Gefahr einer Verunreinigung ausgesetzt, wenn
er nicht über den Parteien steht, weil dann sein Urteil über Schulfragen nicht
so wohl von objektiven, pädagogischen Erwägungen, als vielmehr von parteipoli
tischen Vorurteilen beeinflußt wird. Zum Beweis dafür sei an die Simultan
schule und an die allgemeine Volksschule erinnert. Gegen beide sprechen zahlreiche
pädagogische Bedenken, über die derjenige gewöhnlich leicht hinweg geht, der im
Banne der liberalen Parteien befangen ist. Anstatt uns einer Partei in die
Arme zu werfen, sollten wir uns mehr als bisher bemühen, den Namen christ
licher Lehrer zu verdienen. Dazu gehört vor allem, daß wir die Schuld an den
herrschenden Schulzuständen in erster Linie in uns selbst und nicht in anderen
Faktoren suchen. Sorgfältig sollten wir alle Vorwürfe, die man unserm Stande
macht, auf ihre Berechtigung hin prüfen, so schwer uns das auch werden mag.
Nicht aber sollten wir sie, wie es so häufig geschieht, ohne weiteres zurückweisen
oder aus feindseliger Gesinnung gegen uns zu erklären suchen. Wirklich unbe
rechtigte Vorwürfe aber müßten wir entweder mit Schweigen übergehen oder sie

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