Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc.
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sollen dann die Kämpfer für die heilige Sache des erziehenden Unterrichts
kommen. Denn da die Reihen voll werden müssen, so füllt man sie nun mit
Mietlingen und Überläufern, und nach dem Berhalten dieser Leute beurteilt dann
der oberflächliche Beobachter den ganzen Stand. Mag der Lehrermangel uns
wirklich hier und da einen kleinen Vorteil gebracht haben, so wiegt dieser doch
bei weitem nicht den Schaden auf, den er unserem Schulwesen gebracht hat. Er
hat vielfach die erste Veranlassung zur Einrichtung von Halbtags- und Zwei-
drittelschulen gegeben, die man jetzt als pekuniär vorteilhafte Schulformen bei
behalten hat.
Einschneidender noch als das Verhallen des Lehrerstandes sind jedoch auf
dem Schulgebiete die Wirkungen der sozialen Verhältnisse. Die Zunahme der
unbemittelten Arbeiter und die Abnahme der Zahl der Besitzenden bedingen
einerseits ein Wachstum der von den Kindern der besitzlosen Klassen besuchten
Schulen, andrerseits die Unlust oder Unfähigkeit der politischen Gemeinden, für
diese Schulen zu sorgen. Aus verschiedenen Gründen sind diese Unbemittelten
gewöhnlich ebenso kinderreich als unfähig, etwas für Schulen zu leisten. Wo sie
daher vorherrschend oder ausschließlich vertreten ist, leidet die Schule Mangel am
Nötigsten. Die Schulen füllen sich zwar mit Kindern, aber an den Bau neuer
Schulen und an Anstellung neuer Lehrer ist nicht zu denken. Neben dem Ar
beiter ist auch der wenig begüterte Mittelstand, Kleinbauern, Handwerker, Be
amte, in ziemlich gedrückter Lage. Er kämpft vielfach den Verzweiflungskampf
um seine Existenz und ist zu Leistungen zwar williger, aber kaum fähiger als
der Stand der besitzlosen Arbeiter. Die reich begüterten Glieder der übrigen
Stände dagegen mögen ihrerseits auch nicht die gesamten Schullasten der andern
Stände tragen. Zudem hegen manche der großen Kapitalisten, Grundbesitzer,
Kaufleute und Fabrikbesitzer die Meinung, es sei gefährlich, wenn das „Volk"
zu klug würde. Zwar „die Religion" müsse ihm erhalten bleiben, auch Lesen,
Schreiben, Rechnen sei notwendig, aber mehr als dies sei vom Übel. Solche
Anschauungen*) sind natürlich nicht geeignet, Opferfreudigkeit für das niedere
Schulwesen zu erwecken. Dazu kommt das bei großem Besitz nur zu leicht ein
tretende Streben nach immer weiterer Ausdehnung desselben. Diesem Streben
ist jede Erhöhung der Lasten hinderlich. Dazu kommt, wie schon erwähnt, daß
die Kinder der reichen Besitzer die niederen Volksschulen nicht besuchen. So ist
die Schule in der kritischen Lage, daß die wenigen reichen Besitzer für
sie nur zu oft nichts thun wollen, die kleineren Besitzer und die
Besitzlosen wenig odernichts leisten können, dabei aber die Fre-
*) Der Oberamtmann H. zu Gr. gab ihnen einmal folgenden drastischen Ausdruck:
„Wenn mein Ochsenknecht ein bißchen mehr kann als der Leitochse, so bin ich voll
ständig zufrieden!"
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