III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
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zeigt sich, wenn man die Verhältnisse der niederen Schulen mit denen der hö
heren vergleicht. Was für ein Unterschied in der Ausbildung, Besoldung und
Beaufsichtigung der Lehrer, in den Frequenzverhältnissen rc. dort und hier! Nicht
mit Unrecht hat man unser Schulwesen mit einer Dame verglichen, „die in
schönen Kleidern einhergeht, sich aber ihres Hemdes zu schämen hat." Die
deutsche wissenschaftliche Pädagogik jedoch hat mit Nachdruck darauf hingewiesen,
daß höhere wie niedere Schulen dasselbe pädagogische Ziel haben, nämlich sitt
lich-religiöse Charakterbildung, wenn man dies Ziel auch dort mit reicheren, hier
mit bescheideneren Mitteln, dort in längerer hier in kürzerer Zeit, dort mit
bildsamerem, hier mit roherem Material zu erreichen sucht. Erst wenn in diesem
Punkte die herrschenden Ansichten eine Wandlung erfahren haben werden, wird
die schlimmste Ursache unserer mangelhaften Schulzustände beseitigt sein.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Wandkarte von Palästina für
die Volksschule. Entworfen und
gezeichnet von Karl Jakobi. Wies
baden , kartographische Anstalt von
Rud Bechthold u. Cie
An guten Karten von Palästina ist
kein Mangel. Auch die vorliegende
Karte macht beim ersten Anblick einen
sehr vorteilhaften Eindruck. Die Ge
birge treten plastisch hervor, die Flüsse
sind kräftig gezeichnet, und auch in ästhe
tischer Hinsicht wird man vollständig
befriedigt. Daneben hat die Karte aber
auch eine Menge von groben Fehlern,
die es uns unmöglich machen, sie zu
empfehlen. Zunächst ist die allzu ver
schwenderische Verwendung der grünen
Farbe zu tadeln. Grün sollte nur zur
Bezeichnung des Tieflandes dienen. Auf
unsrer Karte aber finden wir weite
Gebiete, selbst bis zur Höhe von 1000
und mehr Metern grün gezeichnet, so
z. B. die Gegend um Damaskus (696
m) und das ganze obere Leontesthal,
das eine Durchschnittshöhe von 1000 m
hat. Selbst Baalbeck in 1158 m
Meereshöhe liegt noch inmitten des grün
gezeichneten Gebietes. Dagegen ist das
untere Leontesthal braun, so daß wir
hier also das sonderbare Schauspiel eines
bergauf fließenden Gewässers vor Augen
haben. Der Schüler, der die Karte be
trachtet, muß notwendig zu der Meinung
kommen, daß die Meeresküste, Hohlsyrien
und Damaskus gleiche Höhe hätten,
und die Hügellandschaft Galiläas muß
ihm gewaltig höher vorkommen als das
obere Leontesthal, obgleich sie hinter
diesem an Durchschnittshöhe zurücksteht.
Verkehrt gezeichnet ist weiter der Karmel.
Dieses Gebirge bildet bekanntlich einen
zusammenhängenden Zug, der von den
Bergen Samarias in nordwestlicher Rich
tung bis zum Meere streicht und hier
mit einem Vorgebirge endigt. Nach
unsrer Karte dagegen besteht es aus
zwei Abschnitten, die durch eine tiefe, bis
zur Sohle gehende Senkung voneinander
getrennt sind. Wie tief der Zeichner
sich diese Senkung denkt, erhellt am
besten daraus, daß er durch sie hindurch
einen Bach aus der Ebene Saron zum
Kison gehen läßt. Die niedrigen Hügel
reihen, die hier und dort an der flachen
und hafenarmen Küste Palästinas sich
zeigen, hat der Autor so stark gezeichnet,
daß man den Eindruck gewinnt, als ob
ein zusammenhängendes Gebirge die Küste
begleite. Sonderbar ist die Höhen
angabe beim Toten Meere. Im nörd-

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