I. Abteilung. Abhandlungen.
Die geheimen Fesseln der Theologie.
Die nachgelassene größere Schrift Dörpfelds, auf die schon mehrfach
in dieser Zeitschrift hingewiesen wurde, ist erschienen und zwar mit den
Aufsätzen „Einige Grundfragen der Ethik" vereinigt zum 11. Bande
der Gesammelten Schriften: Zm' Ethik (XXXVII. und 268 S.). Das
Buch ist ja, wenigstens in seinem Hauptteil, den „Geheimen Fesseln," nicht
eigens für Lehrer, vielmehr für Theologen bestimmt, aber ich glaube, sehr
viele Lehrer werden eifrig darnach greifen, nicht nur um mit Stolz sich
dessen zu freuen, daß einer der ihrigen eine solche Art „Apologetik" hat
leisten können, sondern vielmehr noch, weil sie daraus unendlich viel zu
lernen haben, sowohl für ihr eigenes sittlich-religiöses Leben und die ent
sprechende Erkenntnis als auch für ihre Stellung als Religionslehrer und
als bewußt interessierte Bürger der Kirche und des Staates. Ein Referat
über den Inhalt des Buches zu geben ist hier nicht am Platz; es wird
sich wohl später ein Anlaß ergeben, auf die Grundgedanken desselben hier
einzugehen, wenn es seinen Weg zu machen begonnen und neben Zustimmung
den nicht ausbleibenden Widerspruch erfahren haben wird. Für heute sei
hier nur das erste Stück der Vorbemerkungen des Herausgebers von
Rohden mitgeteilt.
1. Entstehung dieses nachgelassenen Werkes.
Friedrich Wilhelm Dörpfeld war ein Schulmann, der seinen Beruf
in einen: Umfang und einer Tiefe erfaßte, wie wohl wenige vor ihm.
Die Aufgabe der Volkserziehung, der allgemeinen sittlich-religiösen Charakter
bildung, nahm sein gesamtes reiches Denken und Sinnen in Anspruch; er
verfolgte sie bis in ihre letzten Wurzeln und Zweige, und seine bohrende
Gründlichkeit rastete nicht eher, bis er die feinsten Beziehungen und Be
dingungen zum Gelingen dieser Ewigkeitsaufgabe sich klar gemacht und die
letzten Triebkräfte und Gegenwirkungen ihres Gelingens aufgespürt hatte.
Das Gebiet dessen, was ihm zu seiner Berufsforschung gehörte, konnte
daher kaum enger umschrieben werden als durch den Kreis des gesamten
Geisteslebens der Nation, soweit es im wesentlichen Zusammenhange mit
der Volksbildung steht. Die nationale und die sociale Frage war daher
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