Bibel und Katechismus.
17
1880, U. E. Sebald) sei hier angeführt: „Faßt man das Christentum in erster
Linie als Lehre, sei es vom rationalistischen, sei es vom orthodoxistischen Stand
punkte aus, so kann die Geschichte nicht zu ihrem Rechte kommen: sie wird
lediglich zur Vorratskammer von Beispielen und Anwendungen für die Lehre.
Wem aber würde es einfallen, nun die Weltgeschichte vorwiegend in dieser Weise
zu behandeln! Ein anderes ist die Frage: welche Lehren erklärt die Geschichte,
ein anderes die Frage: welches ist der Gang und Verlauf der Geschichte selbst."
Gerade dieser Hinweis auf Buchrucker zeigt, daß wir keineswegs ein Mo
nopol der Religionsunterrichtsreform für Dörpfeld und seine nächsten Gesinnungs
genossen (Herbart-Zillersche Schule) in Anspruch nehmen. Vielmehr so sehr sich
Dörpfeld selbst über alle Mitarbeiter und Vorläufer, aus welchen Lagern sie auch
kamen, von Herzen freute, wovon seine ebenfalls in diesem dritten Bande mitgeteilte
Rede auf Zahn ein schönes Zengnis ablegt, so wollen auch wir keinem sein
eigentümliches Verdienst in den vielseitigen Bemühungen um die Neubelebung und
Fruchtbarmachung des Religionsunterrichts schmälern. Aber wir möchten mit
Nachdruck doch darauf hingewiesen haben, daß gerade der tiefe und umfassende
Inhalt, der in Dörpfelds Idee der religiösen Klassiker liegt, noch mehr als bisher
anerkannt und zum Segen der Jugendunterweisung verwertet werden sollte.
Bibel und Katechismus.
Aus Dörpfelds nachgelasienem Werk: Die geheimen Fesseln der Theologie, vgl. Ev.
Schulblatt 1894 Nr. 5 „Luthers erste These."
Die Bibel ist kein Buch, sondern eine Bibliothek, eine Sammlung von
Schriften aus sehr verschiedenen Zeiten; zwischen dem ersten Autor, Moses, und
dem letzten, Johannes, dem Apokalyptiker, liegt ein Zeitraum von mehr als 1500
Jahren. Auf den Inhalt gesehen bieten sie teils historische Erzählungen, teils
Reflexionen über ethische und dogmatische Fragen; man kann sie demnach einteilen
in historische und didaktische Schriften. Der didaktische Inhalt tritt der Form
nach auf entweder in Reden, oder Gesprächen oder Briefen oder Betrachtungen
oder Sentenzen oder Visiousbeschreibungen. Aus dem allen, aus der Herkunft,
dem Inhalt und der Form dieser didaktischen Schriften, geht hervor, daß wir in
denselben nicht einen Katechismus zu sehen haben und noch weniger ein
wissenschaftlich-systematisches Lehrbuch der Theologie, sondern vielmehr das, was
wir heutzutage „Zeitstimmen" oder „freie Litteratur" nennen d. h. solche litte
rarische Produktionen, welche für das praktische Bedürfnis einer bestimmten Zeit
lage und bestimmter Personen berechnet sind.
Besinnen wir uns jetzt darauf, wie derartige mündliche oder schriftliche Dar
legungen, wenn sie wirken sollen, dialektisch oder sprachlich beschaffen sein müssen;
2

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.