Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 175
machen und an meine Dialektik und Sprechweise zu gewöhnen. Als wir dann
zu seinem Anliegen übergingen, waren wir in einer Stunde fertig und er
wunderte sich höchlich, wie das so leicht hatte geschehen können und warum
ihm meine erlösenden Zurechtstellungen nicht selbst eingefallen wären."
Die Vorbemerkungen schließen: So möge denn diese Frucht jahrzehntelangen
Forschens und Prüfens und Leidens hinausgehen und Frucht schaffen, dreißig-
fältig; wills Gott, wenigstens die Frucht, daß viele „leidende, irrende Brüder"
sich wieder in den höchsten Lebensfragen zurechtfinden — wie schon manch einer
diesem von Gott gelehrten Lehrer bei Lebzeiten bezeugt hat, daß er von ihm
wieder auf den Weg des Lebens gewiesen sei; und Gottes Segen, an dem dem
Heimgegangenen alles gelegen war, geleite es zu dieser hohen Sendung!
Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder
beeinflussen?
(Von Fr. Wilh. Ibach, Düsseldorf.)
Motto: »Jeder, der in sich fühlt, daß er
etwas Gutes wirken kann, muß ein
Plagegeist sein. Er muß nicht warten,
bis man ihn ruft; er muß sein wie eine
Fliege, die, verscheucht, die Menschen
immer wieder von einer andern Seite
anfällt." Goethe.
Haus und Schule sind die beiden Hauptfaktoren bei der Erziehung im
Alter der Unmündigkeit. Soll ihre beiderseitige Wirksamkeit eine erfolgreiche sein,
so ist unbedingt erforderlich, daß sie ihre Aufgabe richtig erfaffen und angreifen,
sie mit Ernst zu lösen suchen und auf einander Rücksicht nehmen, um Hand in
Hand zu gehen. Denn wie kaum anderswo macht hier allein Einigkeit stark.
»Eins muß ins andre greifen,
eins durchs andre gedeihn und reifen."
Wofern nun in manchen Familien in dieser Beziehung etwas zu wünschen
übrig bleibt, wird es der sorgsame Lehrer für seine Pflicht erkennen müssen, ihnen
zu Hilfe zu kommen. Gebricht es den Eltern hinsichtlich der Kindererziehung an
rechtem Ernst oder gutem Willen, so bedarf es seiner dringenden Mahnung und
Anspornung; mangelt es ihnen an der nötigen pädagogischen Einsicht, so hilft er
durch Belehrung; läßt es dagegen die häusliche Erziehung an keinem von beiden
fehlen, so hat er wenigstens die Einheitlichkeit der beiderseitigen Einwirkung an
zustreben. — Die Rechtsfrage, ob der Lehrer dazu von Amtswegen verpflichtet
ist, soll hier nicht weiter erörtert werden. Wir wollen uns vielmehr nur klar

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